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RC-Klassen beim Einbruchschutz: Türen und Fenster richtig wählen - Was wirklich schützt


RC-Klassen beim Einbruchschutz: Türen und Fenster richtig wählen - Was wirklich schützt
Nov, 30 2025

Einbrecher kommen nicht mit einem Schraubendreher und einem Lächeln. Sie kommen mit Hebeln, Bohrern und manchmal sogar mit Akkuschraubern. Und wenn Ihre Tür oder Ihr Fenster in weniger als drei Minuten aufgeht, ist es kein Zufall, wenn sie wieder kommen. Die Lösung? Nicht irgendein Fenster. Nicht irgendeine Tür. Sondern ein Fenster oder eine Tür mit der richtigen RC-Klasse.

Was bedeutet RC-Klasse überhaupt?

RC steht für Resistance Class - also Widerstandsklasse. Das ist kein Marketing-Geschwätz, sondern eine europaweit gültige Norm: DIN EN 1627. Seit 2011 wird damit einheitlich gemessen, wie lange eine Tür oder ein Fenster einem Einbruchversuch standhält. Die Prüfung läuft nicht in der Theorie ab, sondern in einem Labor: Experten versuchen, mit festgelegten Werkzeugen - von Schraubendreher bis hin zu Brechstange und Akkuschrauber - die Verriegelung zu knacken. Und sie haben genau so viel Zeit, wie die Klasse vorgibt.

Es gibt sieben Klassen: von RC1N bis RC6. Die niedrigste, RC1N, bietet kaum mehr als einen Grundschutz - sie hält nur etwa 30 Sekunden. Die höchste, RC6, ist für Banken und Waffenlager gedacht. Für Ihr Zuhause reicht meistens etwas dazwischen. Aber was genau?

RC2: Der Mindeststandard, den Sie nicht ignorieren dürfen

Die Polizeiliche Kriminalprävention, das Bundeskriminalamt und sogar die Handwerkskammer München sagen es klar: Für jedes Wohngebäude ist RC2 der absolute Mindeststandard. Warum? Weil es funktioniert.

Ein Fenster oder eine Tür der Klasse RC2 muss mindestens drei Minuten einem Angriff mit einfachen Werkzeugen wie Zange, Schraubendreher und Flachhebel standhalten. Das klingt kurz? Ist es aber nicht. Die meisten Einbrecher brechen nach drei Minuten ab. Laut BKA-Lagebild 2022 geben 85 % aller Einbrecher auf, wenn sie nicht innerhalb dieser Zeit ins Haus kommen. RC2-Fenster haben eine Sicherheitsverglasung (P4A, 10 mm Aufbau) und verstärkte Rahmen. Die Verriegelung ist dicker, die Bolzen länger - und das macht den Unterschied.

Ein RC2-Fenster kostet zwischen 650 und 850 Euro. Das ist mehr als ein Standardfenster, aber weniger als ein neues Sofa. Und im Vergleich zu den Kosten eines Einbruchs - verlorene Sachen, Reparaturen, psychische Belastung - ist es eine Investition, die sich rechnet.

RC3: Der echte Schutz für Erdgeschoss und Balkontüren

Wenn Ihr Fenster am Erdgeschoss liegt, über eine Terrasse zugänglich ist oder eine Balkontür ist - dann brauchen Sie RC3. Nicht weil es schön ist. Sondern weil es nötig ist.

RC3 hält mindestens fünf Minuten. Das ist nicht nur länger - das ist entscheidend. Die Prüfung umfasst jetzt auch eine Brechstange. Die Verglasung ist stärker: P5A-Sicherheitsglas mit 11 mm Aufbau. Die Rahmen sind massiver, die Verriegelungspunkte dichter. Und die Installation? Sie muss professionell sein. Laut Handwerkskammer München braucht ein RC3-Fenster mindestens 100 mm lange Verankerungsbolzen. Ein RC2-Fenster reicht mit 80 mm. Das ist kein Detail. Das ist der Unterschied zwischen einem sicheren und einem scheinbar sicheren Fenster.

RC3-Fenster kosten 850 bis 1.200 Euro. Das ist 30-50 % mehr als RC2. Aber wenn Sie in einem Viertel wohnen, in dem in den letzten Jahren drei Häuser eingebrochen wurden - dann ist das kein Aufpreis. Das ist Versicherung. Nutzerberichte auf Fenster-Community.de zeigen: Wer auf RC3 umgerüstet hat, meldet seitdem keine Einbruchsversuche mehr.

Einbrecher versucht, RC3-Fenster mit Brechstange zu öffnen — erfolglos, Sicherheitslicht leuchtet innen.

RC4 und höher: Für wen lohnt sich das?

RC4 bis RC6 sind für Banken, Juweliere, Lagerhallen oder Wohnhäuser mit besonderem Risiko gedacht. Ein RC4-Fenster muss zehn Minuten gegen eine Schlagaxt und einen Akkuschrauber halten. RC5 widersteht 15 Minuten Elektrowerkzeugen. RC6? 20 Minuten gegen Hochleistungswerkzeuge. Die Preise? Ein RC4-Fenster kostet bis zu 100 % mehr als ein RC3. Das ist kein Haushaltsbudget. Das ist ein Sicherheitsprojekt.

Für die meisten Privatleute ist RC4 übertrieben. Aber es gibt Ausnahmen: Wenn Sie in einem Einfamilienhaus mit großer Terrasse und direktem Zugang zum Dach wohnen, wenn Sie wertvolle Sammlungen haben oder wenn Sie in einer Gegend mit hoher Einbruchsdichte leben - dann lohnt sich der Blick auf RC3 als Basis und RC4 als Ergänzung.

Die großen Irrtümer über Einbruchschutz

Einbruchschutz ist kein Zauberspruch. Und viele glauben falsche Dinge.

  • „Ein gekipptes Fenster ist sicher, wenn es verschlossen ist.“ Falsch. Die Polizei NRW sagt klar: Ein gekipptes Fenster ist für Einbrecher ein offenes Fenster - egal ob RC2 oder RC6. Die Verriegelung ist mechanisch ausgehebelt, sobald das Fenster gekippt ist.
  • „RC2 ist nicht sicher, weil Einbrecher mit professionellen Werkzeugen kommen.“ Stimmt. Aber RC2 macht es ihnen schwerer. Und das ist der Punkt. Die meisten Einbrecher sind keine Profis. Sie suchen das einfachste Ziel. Wenn Ihr Haus RC2 hat und das Nachbarhaus RC1 - dann gehen sie zum Nachbarhaus.
  • „Je höher die Klasse, desto besser.“ Nicht immer. RC3 ist der Goldstandard für private Häuser. RC4 ist teuer, schwer zu öffnen und oft unnötig. Es bringt keinen echten Sicherheitsvorteil, wenn Sie die Tür nicht mehr öffnen können, ohne einen Schlüssel zu suchen und drei Minuten zu warten, bis sie sich entriegelt.
Haus mit verschiedenen RC-Klassen, Werkzeuge scheitern an RC2 und RC3, RC4 als höchste Stufe.

Installation und Wartung - Der entscheidende Faktor

Ein RC3-Fenster ist nur so sicher, wie es eingebaut ist. Ein falsch montierter RC3 ist weniger sicher als ein perfekt installiertes RC2. Die Verankerung muss passen. Die Bolzen müssen lang genug sein. Die Fugen müssen dicht sein. Sonst wird das Fenster einfach aus dem Rahmen gezogen - egal wie stark das Glas ist.

Und dann gibt es noch die Wartung. Sicherheitsbeschläge müssen mindestens zweimal im Jahr geschmiert werden. Sonst verhärten sich die Mechanismen. Dann öffnen sie sich nicht mehr reibungslos. Oder - noch schlimmer - sie versagen im Notfall. Ein beschädigter Griff, ein verrosteter Bolzen - das sind die Schwachstellen, die Einbrecher suchen.

Die Polizei München sagt: „Einbruchschutz ist kein Einmal-Kauf. Es ist eine Pflicht, die Sie regelmäßig erfüllen müssen.“

Was kommt als Nächstes?

Die Technik entwickelt sich. Seit Anfang 2023 gibt es Fenster mit integrierten Sensoren, die bei Angriffen automatisch die Polizei alarmieren. Das ist keine Science-Fiction. Das ist Realität - und es wird günstiger. Die Norm DIN EN 1627 soll 2024 um RC7 erweitert werden: 30 Minuten Schutz gegen professionelle Werkzeuge. Aber das ist für die meisten Privatleute noch nicht relevant.

Was relevant ist: Der Markt verändert sich. 2018 hatten nur 28 % der neuen Fenster RC2 oder höher. 2023 sind es 42 %. Die Nachfrage steigt. Und mit ihr die Sicherheit in deutschen Wohnungen.

Was tun Sie jetzt?

  • Prüfen Sie alle Türen und Fenster Ihres Hauses. Sind sie älter als 10 Jahre? Dann sind sie höchstwahrscheinlich RC1 oder gar nicht klassifiziert.
  • Wenn Sie Erdgeschossfenster, Balkontüren oder Terrassentüren haben - fragen Sie nach RC3.
  • Wenn Sie nur Standardfenster haben - wechseln Sie mindestens auf RC2. Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Jetzt.
  • Bestellen Sie keine Fenster ohne Prüfbescheinigung. Die muss auf dem Etikett stehen: DIN EN 1627, RC2 oder RC3.
  • Wählen Sie einen Fachhandwerker, der Erfahrung mit RC-Klassen hat. Die Installation ist genauso wichtig wie das Fenster selbst.

Einbruchschutz ist kein Luxus. Er ist eine Grundvoraussetzung für ein sicheres Zuhause. Sie brauchen keine Panzer. Sie brauchen nur die richtigen Fenster und Türen - und den Mut, sie einzubauen.

Was ist der Unterschied zwischen RC2 und RC2N?

RC2 muss Sicherheitsverglasung (P4A) haben, RC2N nicht. RC2N ist nur für den Rahmen gedacht - er muss drei Minuten gegen einfache Werkzeuge standhalten, aber das Glas kann normal sein. Für Wohnungen ist RC2N unzureichend. Nur RC2 bietet echten Schutz.

Kann ich RC2-Fenster nachrüsten oder muss ich alles austauschen?

Sie können nicht einfach alte Fenster auf RC2 aufrüsten. Die Klasse bezieht sich auf das gesamte System: Glas, Rahmen, Beschlag, Verankerung. Nur ein kompletter Austausch garantiert die normgerechte Sicherheit. Einzelne Teile zu ersetzen, bringt keinen Schutz.

Warum ist RC3 teurer als RC2?

RC3 nutzt stärkeres Glas (P5A), dickere Rahmen, mehr Verriegelungspunkte und längere Verankerungsbolzen. Die Herstellung ist aufwendiger, die Montage dauert länger - und die Materialkosten sind höher. Das macht den Preisunterschied von 30-50 % aus.

Bietet RC3 auch Schutz vor Feuer oder Lärm?

Nein. RC-Klassen messen nur den Einbruchschutz. Für Brandschutz oder Schallschutz gibt es separate Normen (z. B. EI 30 für Feuer oder RW für Schall). Ein RC3-Fenster kann gleichzeitig gut schallisoliert sein - aber das ist nicht automatisch der Fall. Fragen Sie beim Hersteller nach.

Muss ich RC2 oder RC3 auch bei Türen haben?

Ja. Türen sind die häufigsten Einbruchstellen. Ein RC2-Türblatt mit entsprechendem Rahmen und mindestens 3 Verriegelungspunkten ist genauso wichtig wie ein RC2-Fenster. Viele Einbrecher versuchen zuerst die Haustür. Wenn die nicht hält, geben sie nicht auf - sie suchen das nächste Fenster.

Wie erkenne ich, ob ein Fenster wirklich RC2 oder RC3 ist?

Suchen Sie nach dem Prüfzeichen auf dem Fenster oder im Dokumentationspaket. Es muss die Angabe „DIN EN 1627 RC2“ oder „RC3“ enthalten. Außerdem sollte ein Prüfbericht vom zugelassenen Prüfinstitut vorliegen. Ohne diese Angabe ist es kein echtes Sicherheitsfenster.

1 Comment

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    Felix Vayner

    November 30, 2025 AT 22:21

    RC2? Das ist doch nur ein Witz. Ich hab ne alte Tür mit einem Schlüssel aus den 90ern und die hält länger als dein RC2-Fenster. Wer glaubt noch an diese Normen?

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