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Zweitwohnungsteuer 2026: Städtevergleich, Sätze & Befreiungen


Zweitwohnungsteuer 2026: Städtevergleich, Sätze & Befreiungen
Sep, 11 2026

Stell dir vor, du zahlst jedes Jahr mehrere Hundert Euro extra, nur weil du eine Wohnung hast, in der du gar nicht wohnst. Oder schlimmer: Du wirst besteuert, obwohl du die Wohnung selbst besitzt und keine Miete zahlst. Klingt absurd? Für Millionen von Menschen in Deutschland ist das Realität. Die Zweitwohnungsteuer ist eine kommunale Steuer auf Nebenwohnsitze, die je nach Stadt zwischen 5 und 35 Prozent der Nettokaltmiete betragen kann. Da viele Kommunen ihre Haushalte konsolidieren müssen, greifen sie immer tiefer in die Tasche der Zweitwohnungsbesitzer. Im Jahr 2026 haben sich die Regeln an vielen Orten drastisch geändert - Berlin hat erhöht, Stuttgart verdoppelt, und Landshut zieht nach.

Ob du ein Wochenendhaus am Bodensee besitzt, als Pendler eine kleine Bude in München mietest oder deine studierende Tochter in Leipzig unterstützt: Diese Steuer trifft dich schneller, als du denkst. In diesem Artikel schauen wir uns genau an, wer wie viel zahlt, wo die Fallen lauern und wie du vielleicht ganz legal drumherum kommst. Keine Angst vor Paragrafen - wir machen es konkret.

Was ist die Zweitwohnungsteuer eigentlich?

Die Zweitwohnungsteuer (oft auch Zweitwohnsitzsteuer genannt) ist keine bundesweite Steuer im klassischen Sinne. Sie basiert zwar auf einer gesetzlichen Grundlage des Bundes, aber die konkrete Ausgestaltung liegt komplett bei den Gemeinden. Das bedeutet: Jede Stadt darf ihre eigene Satzung schreiben. Manche erheben sie seit Jahrzehnten, andere erst seit gestern, und wieder andere schrauben die Sätze hoch, wenn das Geld knapp wird.

Der Kernmechanismus ist simpel: Wenn du in einer Gemeinde mit Hauptwohnsitz gemeldet bist und zusätzlich in einer anderen Gemeinde einen weiteren Wohnsitz unterhältst, musst du dort Steuer zahlen. Bemessungsgrundlage ist meist die Nettokaltmiete. Dabei spielt es keine Rolle, ob du zur Miete wohnst oder Eigentümer bist. Bei Eigentümern setzt die Kommune eine fiktive Jahreskaltmiete fest, basierend auf dem örtlichen Mietspiegel. Ja, richtig gelesen: Auch wenn du dein Ferienhaus selbst nutzt und niemandem vermietest, zahlst du so, als würdest du es vermieten.

Überblick gängiger Steuersätze für Zweitwohnungen (Stand 2026)
Stadt / Region Steuersatz (% der Nettokaltmiete) Bemerkung / Änderung
Hamburg 8 % Einer der niedrigsten Sätze in Großstädten
Berlin 20 % Erhöhung zum 01.01.2025 von 15 %
München 18 % Verdopplung von 9 % im Jahr 2022
Köln 10 % Seit 2005 stabil
Leipzig 16 % Hoher Satz im Osten
Stuttgart 20 % Verdopplung von 10 % ab 2026 geplant/vollzogen
Heidelberg 20 % Anpassung an höhere Lebenshaltungskosten
Ravensburg 25 % Deutliche Erhöhung ab 2026
Landshut 15 % Erhöhung von 10 % ab Jan 2026
Überlingen / Konstanz 35 % Spitzenreiter im Süden

Warum gibt es solche riesigen Unterschiede?

Es lohnt sich, kurz zu verstehen, warum Hamburg nur 8 Prozent nimmt, während Überlingen satte 35 Prozent kassiert. Es geht um zwei Dinge: Kassennot und Steuerungswille. In teuren Ballungsräumen wie München oder Frankfurt dient die Steuer oft dazu, den Wohnungsmarkt zu entlasten. Wer eine Wohnung als reine Kapitalanlage hält, ohne sie selbst zu bewohnen, soll bestraft werden. Der Anreiz: Melde deinen Zweitwohnsitz als Erstwohnsitz um, dann fällt die Steuer weg.

In touristischen Gebieten, wie am Bodensee oder in Teilen Bayerns, sieht die Logik anders aus. Hier sind viele Wohnungen saisonal genutzt oder stehen leer, weil Einheimische sich die Preise nicht leisten können. Eine hohe Steuer soll hier verhindern, dass Wohnraum dauerhaft "verschwindet". Die Bandbreite ist enorm. Während einige Städte wie Lüneburg oder kleinere Mittelstädte oft ganz auf die Erhebung verzichten oder sehr niedrige Sätze haben, nutzen andere jede Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Studien des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen, dass diese Steuer tatsächlich dazu führt, dass Menschen ihre Melderegister-Einträge ändern - was wiederum die Infrastrukturplanung der Städte beeinflusst.

Wer muss zahlen? Nicht nur der Luxus-Urlauber

Viele denken bei Zweitwohnungsteuer sofort an das Ferienhäuschen auf Sylt oder die Villa in der Toskana. Aber die Realität ist viel alltäglicher. Betroffen sind:

  • Berufspendler: Du arbeitest in Frankfurt, wohnst aber mit deiner Familie in Wiesbaden. Dein Zimmer in Frankfurt ist steuerpflichtig.
  • Studenten: Deine Kinder studieren in Münster, leben aber offiziell noch bei euch in Hannover. Je nach Satz in Münster kann das schnell teuer werden.
  • Trennungssituationen: Nach einer Scheidung bleibt einer Partner in der gemeinsamen Wohnung, der andere zieht sich zurück, behält aber die Meldung oder nutzt die Wohnung zeitweise.
  • Eigentümer-Nutzer: Du hast eine Wohnung geerbt oder gekauft, nutzt sie aber nur an Wochenenden.

Ein häufiges Missverständnis: "Ich zahle doch schon Grundsteuer!" Das stimmt, aber die Grundsteuer ist eine separate Abgabe für das Grundstückseigentum. Die Zweitwohnungsteuer ist eine persönliche Steuer auf die *Nutzung* des Wohnraums als Nebenwohnsitz. Beide Steuern können also parallel laufen.

Junge Frau berechnet Steuerlast an Küchentisch in deutscher Großstadt-Wohnung

Rechenbeispiel: Was kostet dich das wirklich?

Lass uns ein konkretes Beispiel durchspielen, damit du ein Gefühl für die Summen bekommst. Nehmen wir Franziska Schmidt. Sie lebt mit ihrer Familie in Lübeck (Hauptwohnsitz). Wegen eines neuen Jobs braucht sie eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung in Hamburg. Die Kaltmiete beträgt 1.200 Euro im Monat.

  1. Jahresnettomiete berechnen: 1.200 € x 12 Monate = 14.400 €.
  2. Steuersatz anwenden: Hamburg erhebt aktuell 8 Prozent.
  3. Berechnung: 14.400 € x 0,08 = 1.152 €.

Franziska zahlt also über 1.100 Euro im Jahr extra, nur für die Meldung ihres Wohnsitzes. Wäre sie in München (18 %), wären es bereits 2.592 Euro. In Ravensburg (25 %) sogar 3.600 Euro. Diese Beträge summieren sich über die Jahre enorm. Und da viele Städte die Sätze kürzlich erhöht haben oder erhöhen wollen (wie Potsdam auf 25 %), steigt die Belastung weiter.

Befreiungen: Wann du Glück hast

Nicht jeder Zweitwohnsitz ist automatisch steuerpflichtig. Die meisten Satzungen enthalten Befreiungstatbestände. Diese sind jedoch streng geregelt und variieren von Stadt zu Stadt. Hier sind die häufigsten Ausnahmen:

  • Wohnlose oder Obdachlose: Oft gibt es Freigrenzen für sehr geringe Mietkosten.
  • Pflegebedürftigkeit: Wenn die Zweitwohnung für die Pflege eines Angehörigen nötig ist, kann dies anerkannt werden. Wichtig: Die Pflege muss nachweisbar sein.
  • Ausbildungszwecke: In manchen Städten sind Studenten bis zu einem bestimmten Alter oder bei bestimmten Einkommensgrenzen befreit. Vorsicht: Viele Städte haben diese Regelung abgeschafft oder verschärft!
  • Gemeinschaftsnutzung: Lebst du mit deinem Ehepartner zusammen in der Zweitwohnung und beide sind dort gemeldet, kann die Steuer für eine Person entfallen (je nach Satzung).
  • Unzumutbarkeit: Wenn die Entfernung zum Hauptwohnsitz extrem groß ist und der Zweitwohnsitz beruflich unverzichtbar ist, gibt es Härtefallregelungen. Das muss aber einzeln beantragt und begründet werden.

Ein Tipp aus der Praxis: Lies die Satzung deiner Stadt genau. Manchmal reicht es, wenn die Wohnung kleiner als eine bestimmte Quadratmeterzahl ist (z.B. unter 12 qm), um befreit zu werden. Oder wenn du nachweist, dass du die Wohnung nur wenige Tage im Jahr nutzt (was bei Berufspendlern schwerfällt).

Konzeptionelle Darstellung von Zweitwohnsitz-Steuerlast zwischen See und Pendler-Bahn

Fallen vermeiden: Ummeldung und Fristen

Die größte Falle ist die Bürokratie. Die Steuer entsteht nicht automatisch, sondern wird durch das Finanzamt der jeweiligen Gemeinde erhoben. Du musst dich aktiv darum kümmern, sonst drohen Verspätungszuschläge oder Schätzungen, die oft höher ausfallen.

Wenn du deinen Zweitwohnsitz aufgibst, musst du ihn beim Einwohnermeldeamt abmelden. Tut du das nicht, läuft die Steuer weiter. Umgekehrt gilt: Wenn du umziehst und die neue Wohnung als Hauptwohnsitz meldest, endet die Steuerpflicht in der alten Stadt. Achte darauf, dass die Abmeldung rückwirkend oder zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Ein Fehler von ein paar Tagen kann ein ganzes Quartal kosten.

Auch wichtig: Die Steuererklärung für die Zweitwohnungsteuer ist oft eine separate Erklärung, die du direkt bei der Stadt einreichst. Nutze dafür die Online-Portale der Kommunen, falls verfügbar. Papierkram ist hier der Feind. Halte Belege wie Mietverträge oder Kaufverträge bereit, um die Bemessungsgrundlage korrekt anzugeben.

Ausblick 2026: Die Trends gehen nach oben

Die politische Stimmung kippt zugunsten der Erhebung. Immer mehr Städte, die bisher keine Zweitwohnungsteuer hatten, führen sie ein oder erhöhen die Sätze. Gründe sind gestiegene Sozialausgaben und Investitionsstau. Städte wie Berlin, Stuttgart und Heidelberg zeigen, dass 20 Prozent kein Tabu mehr sind. In touristischen Hotspots sind 30 Prozent und mehr keine Seltenheit.

Für dich als Immobilienbesitzer oder Mieter bedeutet das: Rechne fest damit, dass die Kosten steigen. Wenn du planst, eine zweite Immobilie zu kaufen oder eine Wohnung anzumieten, prüfe vorher die aktuelle Satzung der Stadt. Frage beim Bürgerbüro nach, welche Befreiungen möglich sind. Manchmal ist die Steuer im Vergleich zu den Nebenkosten oder der Miete vernachlässigbar - manchmal frisst sie aber 10 bis 15 Prozent deiner monatlichen Wohnkosten auf.

Muss ich Zweitwohnungsteuer zahlen, wenn ich Eigentümer bin?

Ja. Auch Eigentümer müssen die Steuer zahlen. Da keine tatsächliche Miete fließt, setzt die Gemeinde eine fiktive Jahreskaltmiete fest. Diese orientiert sich meist am lokalen Mietspiegel oder dem Bodenrichtwert. Die Höhe hängt also davon ab, wie viel eine vergleichbare Wohnung in der Gegend kosten würde.

Gibt es eine Altersgrenze für die Befreiung?

Das variiert stark. Viele ältere Satzungen sahen Befreiungen für Rentner vor, wenn der Zweitwohnsitz nur zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte diente. Neuere Satzungen streichen diese Regel oft. Prüfe unbedingt die aktuelle Satzung deiner Stadt, da pauschale Aussagen hier irreführend sind.

Wie hoch ist die Steuer in meiner Stadt?

Da es keine einheitliche Regelung gibt, findest du den genauen Satz in der "Satzung über die Erhebung einer Zweitwohnungssteuer" deiner Gemeinde. Diese ist meist online auf der Website der Stadtverwaltung abrufbar oder beim Fachbereich Steuern erhältlich. Rufe dort auch direkt an, wenn die Satzung unklar formuliert ist.

Kann ich die Steuer von der Einkommensteuer absetzen?

In der Regel nein. Die Zweitwohnungsteuer ist eine private Ausgabe und zählt nicht zu den Werbungskosten oder Sonderausgaben, sofern sie nicht betrieblich veranlasst ist (z.B. bei Selbstständigen mit doppeltem Haushalt). Für Arbeitnehmer ist sie meist nicht abzugsfähig.

Was passiert, wenn ich meinen Zweitwohnsitz vergesse?

Wenn du den Zweitwohnsitz nicht abmeldest, läuft die Steuerpflicht weiter. Das Finanzamt kann die Steuer auch rückwirkend für die letzten Jahre festsetzen, solange die Verjährungsfristen noch nicht abgelaufen sind (in der Regel vier bis zehn Jahre, je nach Bundesland und Verschuldensgrad). Eine rechtzeitige Abmeldung spart also bares Geld.