Sommerlicher Wärmeschutz ist eine bauliche Maßnahme, die verhindert, dass Sonneneinstrahlung das Innere eines Gebäudes unzumutbar aufheizt. In den letzten Jahren haben Hitzewellen in Deutschland immer häufiger zu Überhitzungsproblemen in Häusern geführt. Doch mit cleveren baulichen Maßnahmen lässt sich die Sommerhitze effektiv bekämpfen - ohne auf teure Klimaanlagen angewiesen zu sein. Der Sommerlicher Wärmeschutz ist dabei der Schlüssel.
Was ist Sommerlicher Wärmeschutz?
Seit dem 1. November 2020 ist der sommerliche Wärmeschutz gesetzlich vorgeschrieben. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fasste die früheren Gesetze EnEV, EEWärmeG und EnEG zusammen und machte den sommerlichen Wärmeschutz für Neubauten und Erweiterungen ab 50 Quadratmetern Nutzfläche verpflichtend. Die technische Grundlage dafür bildet die DIN 4108-2:2013-02 Norm, die die Anforderungen an den Wärmeschutz in Gebäuden definiert.
Der Kern des sommerlichen Wärmeschutzes ist der Sonneneintragskennwert S vorh ≤ S zul. Dieser Wert berechnet die Wärme, die durch Fenster und andere Bauteile in den Raum gelangt. Für Wohngebäude in Deutschland (Klimaregion 1) liegt der zulässige Wert bei 0,35. Der Sonneneintragskennwert setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: der Gesamtenergiedurchlässigkeit der Verglasung (g-Wert), der Effektivität von Sonnenschutzvorrichtungen, dem Verhältnis von Fensterfläche zur Raumgrundfläche, der Wärmespeicherfähigkeit der Bauteile, der Lüftung, der Fensterorientierung und internen Wärmequellen.
Eine klare Rechnung: Der Sonneneintragskennwert
Der Sonneneintragskennwert (S) ist die zentrale Berechnungsgröße für den sommerlichen Wärmeschutz. Er misst, wie viel Wärme durch Fenster und Außenwände in den Raum gelangt. Die Formel lautet S vorh ≤ S zul. Für Wohngebäude in Deutschland gilt S zul = 0,35. Dieser Wert wird durch sechs Parameter berechnet: Außenbauteile (S1), Sonnenschutzglas (S3), Fensterneigung (S4), Orientierung der Fenster (S5) und Einsatz passiver Kühlung (S6).
Ein typisches Beispiel: Ein Haus mit großen Südfenstern und keinem Sonnenschutz hat einen hohen S vorh-Wert. Selbst bei guter Dämmung der Außenwände reicht das nicht aus, um die Hitze zu blockieren. Die DIN 4108-2 fordert, dass alle neuen Gebäude diesen Wert einhalten - sonst darf das Gebäude nicht bezogen werden. Dies gilt auch für Sanierungen, wenn mehr als 10 % der Fensterflächen ausgetauscht werden.
Effektive Sonnenschutzmaßnahmen
Der Sonnenschutz ist ein zentraler Bestandteil des sommerlichen Wärmeschutzes. Dabei gibt es zwei Hauptkategorien: außenliegender und innenliegender Sonnenschutz.
Außenliegender Sonnenschutz ist deutlich effektiver als innenliegender. Beispiele sind Gebäudevorsprünge, auskragende Balkone, Dächer oder spezielle Sonnenschutzsysteme wie Jalousien und Markisen. Diese blockieren die Sonnenstrahlen, bevor sie auf das Fenster treffen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zeigt, dass außenliegender Sonnenschutz die Raumtemperatur um bis zu 10°C reduzieren kann.
Innenliegende Sonnenschutzvorrichtungen wie Rollläden oder Vorhänge sind weniger effektiv, da die Sonnenstrahlen bereits durch das Glas gelangt sind und die Wärme im Raum verteilt wird. Dennoch können sie bei unzureichendem außenliegendem Schutz eine sinnvolle Ergänzung sein. Wichtig ist, dass die Fenster mit einem g-Wert unter 0,50 ausgestattet sind, um die Wärmeeinstrahlung zu reduzieren. Moderne Isolierverglasungen mit niedrigem g-Wert blockieren effektiv Wärme, ohne die Lichtdurchlässigkeit stark zu beeinträchtigen.
Die Rolle der Speichermasse
Thermische Speichermasse ist ein weiterer Schlüssel zum sommerlichen Wärmeschutz. Massive Bauteile wie Betondecken, Ziegelwände oder Holzrahmen mit hoher Rohdichte absorbieren tagsüber Wärme und geben sie nachts ab. Dies verzögert das Aufheizen des Raums und sorgt für eine angenehme Temperatur.
Thermische Speichermasse wirkt als thermischer Puffer. Je massiver die Innenbauteile sind, desto besser kann die Wärme gespeichert und später abgegeben werden. Bei typischen Wohngebäuden mit Tagesnutzung sind Betondecken besonders effektiv. Ein Nutzer aus Lüneburg berichtete auf Heimwerker-Forum.de: "Nachdem wir in unserem Passivhaus im Sommer ständig über 28°C hatten, haben wir innenliegende Betonwände als Speichermasse nachgerüstet - seitdem bleiben die Temperaturen tagsüber unter 25°C, selbst bei 35°C Außentemperatur."
Wichtig ist, dass die Außenbauteile gut gedämmt sind. Ein niedriger U-Wert der Außenwände verhindert, dass Wärme von außen in den Raum gelangt. Mineralwolle mit einer Wärmeleitfähigkeit von bis zu 0,032 W/mK ist eine bewährte Dämmstofflösung. Der U-Wert ist entscheidend für den sommerlichen wie auch winterlichen Wärmeschutz.
Praxisbeispiele aus der Realität
Die Kombination aus außenliegendem Sonnenschutz und thermischer Speichermasse zeigt die besten Ergebnisse. Eine Umfrage des Verband Wärmedämm-Systeme (VWS) mit 1.200 Befragten ergab, dass 87% der Nutzer mit dieser Kombination nie Temperaturen über 26°C im Sommer erlebten.
Im Gegensatz dazu berichteten viele Hausbesitzer auf Bausachverstaendiger.de von Problemen mit unzureichendem Sonnenschutz. Ein Nutzer schrieb: "Die vorgesehene Außenjalousie war nicht ausreichend, sodass wir zusätzliche innenliegende Rollläden installieren mussten, die aber weniger effektiv sind." Dies zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Planung ist.
Die Passivhaus Projektierungs Paket (PHPP) Version 10.1 aus März 2023 enthält verbesserte Module zur Berechnung des sommerlichen Wärmeschutzes unter Berücksichtigung lokaler Klimadaten. Dies erleichtert die Planung und stellt sicher, dass alle Maßnahmen optimal aufeinander abgestimmt sind.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Viele Planer konzentrieren sich zu sehr auf den winterlichen Wärmeschutz und vernachlässigen die sommerlichen Anforderungen. Dipl.-Ing. Susanne Theissing vom ift Rosenheim warnt: "Viele Planer konzentrieren sich immer noch primär auf den winterlichen Wärmeschutz und vernachlässigen die sommerlichen Anforderungen, was zu Überhitzungsproblemen in modernen Niedrigenergiehäusern führt".
Typische Fehler sind zu große Südfenster ohne ausreichenden Sonnenschutz oder die Vernachlässigung der thermischen Speichermasse. Auch die Nachtlüftung wird oft unterschätzt. Die Lüftung in der zweiten Nachthälfte ist entscheidend, um die gespeicherte Wärme aus den massiven Bauteilen abzuführen. Ohne gezielte Nachtlüftung kann die Speichermasse ihre volle Wirkung nicht entfalten.
Zukunftsperspektiven
Der Markt für sommerlichen Wärmeschutz wächst stetig. Laut einer Studie des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) stieg die Nachfrage nach Produkten zum sommerlichen Wärmeschutz von 2020 bis 2023 um 37%, getrieben durch die gesetzlichen Vorgaben des GEG und die zunehmende Häufigkeit von Hitzewellen. Der deutsche Markt wird auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2023 geschätzt, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,5% bis 2027.
Die deutsche Bundesregierung plant mit dem Aktionsplan Sommerlicher Wärmeschutz ab 2024 zusätzliche Anreize für die Nachrüstung bestehender Gebäude mit Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz. Experten wie Prof. Dr. Hartwig Künzel vom Fraunhofer IBP prognostizieren, dass bis 2030 die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz verschärft werden, um den Folgen des Klimawandels besser begegnen zu können.
Ist der sommerliche Wärmeschutz gesetzlich vorgeschrieben?
Ja, seit dem 1. November 2020 ist der sommerliche Wärmeschutz im Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpflichtend. Für Neubauten und Erweiterungen mit mehr als 50 Quadratmetern Nutzfläche muss der Sonneneintragskennwert (S vorh) den zulässigen Wert (S zul) nicht überschreiten. Dies gilt auch für bestehende Gebäude, wenn sie saniert werden.
Welche Sonnenschutzmaßnahmen sind am effektivsten?
Außenliegender Sonnenschutz wie Jalousien, Markisen oder Gebäudevorsprünge ist deutlich effektiver als innenliegende Lösungen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt, dass außenliegender Sonnenschutz die Raumtemperatur um bis zu 10°C reduzieren kann. Kombiniert mit thermischer Speichermasse und gezielter Nachtlüftung erreichen Sie die besten Ergebnisse.
Wie wirkt sich die Speichermasse auf den sommerlichen Wärmeschutz aus?
Thermische Speichermasse wie Betondecken oder massive Wände absorbieren tagsüber Wärme und geben sie nachts ab. Dies verzögert das Aufheizen des Raums und sorgt für eine angenehme Temperatur. In Wohngebäuden mit Tagesnutzung sind Betonwände besonders effektiv. Eine Umfrage des Verband Wärmedämm-Systeme (VWS) ergab, dass 87% der Nutzer mit dieser Kombination nie Temperaturen über 26°C im Sommer erlebten.
Welche Fehler sollten Sie bei der Planung vermeiden?
Häufige Fehler sind zu große Südfenster ohne ausreichenden Sonnenschutz, die Vernachlässigung der thermischen Speichermasse und unzureichende Nachtlüftung. Viele Planer konzentrieren sich zu sehr auf den winterlichen Wärmeschutz und vernachlässigen sommerliche Anforderungen. Dies führt oft zu Überhitzungsproblemen in modernen Niedrigenergiehäusern.
Gibt es Förderungen für sommerlichen Wärmeschutz?
Ja, ab 2024 plant die Bundesregierung mit dem "Aktionsplan Sommerlicher Wärmeschutz" zusätzliche Anreize für die Nachrüstung bestehender Gebäude. Bisherige Förderungen können über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder die KfW-Bank beantragt werden. Informieren Sie sich frühzeitig über aktuelle Programme.
Rodrigo Ludwig
Februar 6, 2026 AT 09:29Außenliegender Sonnenschutz ist definitiv der bessere Weg.
Innere Vorhänge helfen nur bedingt, weil die Wärme schon reingekommen ist.
Eine Studie vom Fraunhofer-Institut zeigt, dass außenliegender Schutz die Temperatur um bis zu 10°C senken kann.
Also lieber Jalousien oder Markisen anbringen.