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Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand: So vermeiden Sie teure Baufehler


Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand: So vermeiden Sie teure Baufehler
Feb, 12 2026

Wenn Sie ein altes Haus sanieren, ist das eine gute Sache. Aber oft wird dabei ein entscheidender Punkt vergessen: Schnittstellenplanung. Was das genau ist? Ganz einfach: Es geht darum, dass Heizung, Elektro und Sanitär nicht nur einzeln geplant werden, sondern zusammen. Und zwar schon lange bevor der erste Bohrer anläuft. Denn wenn die Rohre für die Fußbodenheizung genau dort verlegt werden, wo später ein Elektrokabel durch die Decke muss, dann wird’s teuer. Und schnell wird aus einer Sanierung ein Baustellenschock.

Im Neubau ist das alles klar geregelt. Aber im Bestand? Da gibt es keine Pläne. Oder sie sind verloren. Oder sie stimmen nicht mehr. Ein Haus aus den 1960er Jahren hat oft eine Deckenhöhe von nur 2,40 Metern. Und da will jemand eine Flächenheizung einbauen? Dann muss der Estrich dünner werden. Aber der Estrich braucht eine bestimmte Dicke, damit er nicht reißt. Und die Elektroinstallation? Die liegt oft in den Decken oder Wänden, die jetzt als Heizflächen dienen sollen. Wer das nicht vorher abstimmt, der baut sich eine Katastrophe.

Was passiert, wenn die Schnittstellen nicht stimmen?

Ein konkreter Fall aus München: Ein Haus aus den 1950ern wurde modernisiert. Die Heizungsbauer legten die Rohre für die Fußbodenheizung ein. Der Elektriker kam später und bohrte die Kabelkanäle durch den Estrich - genau dort, wo die Heizrohre lagen. Ergebnis? Zwei Rohre wurden durchtrennt. Der Estrich musste komplett raus. Drei Wochen Verzögerung. 12.000 Euro zusätzliche Kosten. Und das, obwohl alles legal war. Nur: niemand hat vorher gefragt.

Das ist kein Einzelfall. Laut einer Studie der Hochschule München aus 2023 führen fehlende oder ungenaue Bestandsunterlagen in 68 Prozent aller Sanierungsprojekte zu Planungsfehlern. Und laut Dr. Hans-Jürgen Kretschmer vom Bundesverband Flächenheizungen sind mindestens 70 Prozent aller Probleme mit Flächenheizungen im Bestand auf fehlende Schnittstellenkoordination zurückzuführen. Das heißt: Fast jedes siebte Sanierungsprojekt läuft schief - nicht wegen schlechter Arbeit, sondern wegen schlechter Abstimmung.

Was gehört zur Schnittstellenplanung?

Es ist nicht nur ein Gespräch. Es ist ein Prozess. Und der läuft in vier Schritten:

  1. Bestandsaufnahme - Nicht nur die alten Pläne raussuchen. Sondern messen. Scannen. Mit 3D-Laser-Scannern. So wird sichtbar, wo wirklich Rohre, Kabel und Träger liegen. Kein Schätzen. Kein Hoffen. Genauigkeit.
  2. Koordinationsmeeting - Alle Gewerke zusammen: Heizung, Elektro, Sanitär, Estrich, Boden, Architekt. Der Bauherr oder sein Vertreter muss dabei sein. Jeder bringt seine Pläne mit. Und jeder sagt: „Hier kann ich nicht hin.“
  3. Abstimmung der Dicken - Das ist der entscheidende Punkt. Wie dick ist die Decke? Wie dick muss der Estrich sein? Wie dick ist der Bodenbelag? Und wo liegen die Elektrokabel? Jede Dicke hat Folgen. Ein zu dicker Estrich senkt die Heizleistung. Ein zu dünner reißt. Und wenn die Elektrokanäle in der gleichen Ebene liegen wie die Heizrohre, dann kann man nicht mehr bohren. Oder man zerstört die Heizung.
  4. Dokumentation - Alles wird schriftlich festgehalten. In einem gemeinsamen Plan. Und zwar als 3D-Modell. BIM (Building Information Modeling) ist kein Marketingbegriff mehr. In der Praxis ist es heute Standard. Denn nur so kann jeder sehen, wo was liegt - und was sich überschneidet.

Die DIN 18560-2 schreibt für Flächenheizungen sogar einen Fugenplan vor. Das ist kein schöner Name für eine Zeichnung. Das ist ein Bauplan, der genau sagt: Wo muss der Estrich eine Fuge haben? Warum? Weil die Heizrohre sich ausdehnen. Und wenn die Fuge nicht da ist, reißt der Boden. Und dann ist der Teppich kaputt. Und der Bodenbelag. Und die Heizung auch.

Warum ist das im Bestand so schwer?

Im Neubau haben Sie eine weiße Leinwand. Im Bestand haben Sie eine verstopfte Toilette mit alten Ziegelwänden, verlegten Kabeln aus den 70ern und einem Estrich, der 1987 mit Zement und Sand gemacht wurde - ohne irgendwelche Angaben.

Die größte Herausforderung? Die Deckenhöhe. In vielen Altbauten ist die Decke niedrig. Wenn Sie jetzt eine Flächenheizung einbauen, dann verlieren Sie wertvolle Zentimeter. Und wenn Sie die Heizung mit einer Wärmepumpe betreiben wollen, dann braucht die eine niedrige Vorlauftemperatur. Aber das geht nur, wenn die Heizfläche groß genug ist. Und das geht nur, wenn der Estrich dick genug ist. Und der Estrich kann nur dick sein, wenn die Deckenhöhe es zulässt. Und die Elektrokanäle dürfen nicht in diesem Raum liegen. Und die Sanitärrohre dürfen nicht unter dem Boden verlegt sein, wo die Heizung läuft.

Das ist ein komplexes Puzzle. Und es gibt nur eine Lösung: Frühzeitig planen. Nicht nach dem ersten Bohren. Nicht nach dem ersten Schaden. Sondern vor dem ersten Bohren.

Querschnitt einer Decke mit kollidierenden Heizrohren und Kabelkanälen, ein Bohrer hat ein Rohr durchtrennt.

Was sagen Experten dazu?

Die Architektenkammer Bayern hat einen Muster-Schnittstellenkatalog entwickelt. Das ist eine Art Checkliste für Planer. Was muss wo stehen? Wer ist verantwortlich? Wann muss was abgesprochen werden? Das ist Gold wert. Aber nur, wenn man es nutzt.

Prof. Dr. Markus Bölte von der TU München warnt davor: „Die meisten Richtlinien sind für Neubauten gemacht. Sie passen nicht auf Bestand.“ Das heißt: Sie können nicht einfach die Pläne vom Neubau übernehmen. Sie müssen anpassen. Und das braucht Erfahrung.

Und hier kommt die Digitalisierung ins Spiel. Die ift-Institut-Studie aus 2024 zeigt: 42 Prozent der Planungsbüros nutzen heute BIM für Bestandsprojekte. Das war vor drei Jahren noch 18 Prozent. Das ist ein Riesensprung. Denn mit BIM sehen Sie nicht nur, wo die Rohre liegen. Sie sehen auch: Wenn ich hier das Rohr verlege, dann kollidiert es mit dem Kabelkanal. Und das System sagt es Ihnen bevor gebaut wird.

Wie viel kostet das?

Einige denken: „Das ist teuer.“ Aber was kostet es, wenn es schiefgeht? Ein Fehler in der Schnittstellenplanung kostet im Durchschnitt 15.000 bis 30.000 Euro. Und das ist nur der direkte Schaden. Dazu kommen Verzögerungen. Versicherungsfragen. Stress. Und oft: verlorene Mieter oder verärgerte Kunden.

Die Kosten für eine professionelle Schnittstellenplanung liegen zwischen 1.500 und 4.000 Euro - je nach Hausgröße. Das ist ein Bruchteil der Gesamtkosten. Und es spart viel mehr, als es kostet. Ein Heizungsbauer aus Oberbayern dokumentierte 2024 einen Fall, bei dem die Sanierungszeit um 23 Prozent reduziert wurde. Die Gesamtkosten sanken um 18.500 Euro. Nur weil alle Gewerke vorher gemeinsam geplant haben.

Ein Team arbeitet mit einem holografischen BIM-Modell, um Heizung, Elektro und Sanitär in einem Altbau abzustimmen.

Was müssen Sie als Bauherr tun?

Sie müssen nicht alles wissen. Aber Sie müssen fragen.

  • Fragen Sie: „Wer koordiniert die Schnittstellen zwischen Heizung, Elektro und Sanitär?“
  • Fragen Sie: „Gibt es einen gemeinsamen Plan, in dem alle Gewerke ihre Einbauten eintragen?“
  • Fragen Sie: „Wurde der Bestand mit 3D-Scannern erfasst?“
  • Fragen Sie: „Wer ist verantwortlich, wenn es zu einem Konflikt kommt?“

Wenn der Bauunternehmer sagt: „Das machen wir schon.“ - dann fragen Sie nach: „Wie?“ Und wenn er nicht genau antworten kann, dann suchen Sie sich einen anderen. Denn in der Sanierung zählt nicht, wer am meisten bohrt. Sondern wer am besten abstimmt.

Was kommt als Nächstes?

Die EU-Gebäuderichtlinie verschärft die Anforderungen. Bis 2027 sollen alle Gebäude in Deutschland energieeffizienter werden. Das bedeutet: Mehr Flächenheizungen. Mehr Wärmepumpen. Mehr Elektroinstallationen. Und mehr Schnittstellen. Die Nachfrage steigt. Und mit ihr die Notwendigkeit, das richtig zu machen.

Die Zukunft liegt in der Digitalisierung. Künstliche Intelligenz wird bald Konflikte selbst erkennen. Wenn ein Planer eine Heizrohrführung einzeichnet, sagt das System automatisch: „Achtung! Kabelkanal in 12 cm Höhe. Kollision.“ Das ist kein Science-Fiction. Das gibt es schon. Und es wird sich verbreiten.

Die gute Nachricht: Sie können heute schon etwas tun. Nicht warten, bis es schiefgeht. Nicht hoffen, dass alles passt. Sondern: Planen Sie gemeinsam. Dokumentieren Sie alles. Und fragen Sie nach dem Plan.

Ein Haus zu sanieren ist eine Investition in die Zukunft. Aber nur, wenn Sie es richtig anfangen.

Was passiert, wenn ich die Schnittstellen nicht plane?

Ohne Schnittstellenplanung laufen Heizung, Elektro und Sanitär aufeinander. Rohre werden durch Kabelkanäle geschnitten, Estrich wird zu dünn, Bodenbeläge reißen, und die Heizung funktioniert nicht richtig. Das führt zu teuren Nacharbeiten, langen Verzögerungen und oft zu Schäden an der Bausubstanz. Laut Studien sind 70 % aller Probleme bei Flächenheizungen im Bestand auf fehlende Abstimmung zurückzuführen.

Kann ich die Schnittstellenplanung selbst machen?

Nein. Das ist kein DIY-Projekt. Die Schnittstellenplanung erfordert Fachwissen in Heizungstechnik, Elektrotechnik, Estrichbau und Bauphysik. Sie braucht auch Zugang zu Plänen, Messgeräten und Erfahrung mit Bestandsgebäuden. Nur ein Fachplaner oder ein koordinierendes Büro kann das professionell leisten. Wenn Sie es selbst versuchen, riskieren Sie teure Fehler.

Was ist BIM und warum ist es wichtig?

BIM steht für Building Information Modeling. Es ist eine digitale 3D-Planung, bei der alle Gewerke ihre Anlagen in einem gemeinsamen Modell eintragen. So sehen Sie sofort, ob ein Heizrohr mit einem Kabelkanal kollidiert. BIM ist heute in der Sanierung fast unverzichtbar, besonders im Bestand, wo alte Pläne oft falsch oder verloren sind. 42 % der Planungsbüros nutzen BIM mittlerweile für Bestandsprojekte - und das ist der Standard für zukünftige Sanierungen.

Wie viel kostet eine Schnittstellenplanung?

Die Kosten für eine professionelle Schnittstellenplanung liegen zwischen 1.500 und 4.000 Euro, je nach Hausgröße und Komplexität. Das klingt viel, aber im Vergleich zu den durchschnittlichen Nacharbeitskosten von 15.000 bis 30.000 Euro bei Fehlplanung ist es eine günstige Versicherung. In einem Fall aus Oberbayern sparte eine gute Planung 18.500 Euro an Gesamtkosten.

Welche Rolle spielt die Wärmepumpe bei der Schnittstellenplanung?

Wärmepumpen arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Das bedeutet: Sie brauchen große Heizflächen, wie Flächenheizungen, um die Wohnung zu heizen. Aber große Heizflächen brauchen dicke Estriche. Und dicke Estriche brauchen hohe Decken. In Altbauten ist das oft nicht gegeben. Deshalb muss die Schnittstellenplanung genau prüfen: Wo kann die Heizung liegen? Wo muss der Estrich dicker sein? Und wo dürfen keine Kabel sein? Die neue Version des Merkblatts FBH-M2 aus März 2024 enthält spezielle Regeln für Wärmepumpen im Bestand.