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Mietnomaden in Wohnimmobilien: Wie Sie sich vor Betrug schützen und rechtlich vorgehen


Mietnomaden in Wohnimmobilien: Wie Sie sich vor Betrug schützen und rechtlich vorgehen
Feb, 20 2026

Ein Mieter zieht ein, zahlt die erste Miete, dann verschwindet das Geld. Monate später steht der Vermieter vor einer zerstörten Wohnung, leeren Krediten und einem Berg an Papierkram. Das ist kein Einzelfall. In Deutschland gibt es Tausende Fälle jedes Jahr, in denen Mieter gezielt Wohnungen anmieten, um sie zu betrügen. Sie nennen sich selbst nicht Mietnomaden - aber die Immobilienbranche nennt sie so. Und sie verursachen Schäden, die oft über 20.000 Euro liegen. Die gute Nachricht: Mietnomaden lassen sich mit klaren Schritten verhindern. Die schlechte: Wer nichts tut, läuft Gefahr, zur Zielscheibe zu werden.

Was macht einen Mietnomaden aus?

Mietnomaden sind keine Mieter, die mal kurz nicht zahlen können. Sie sind Betrüger. Sie planen von Anfang an, keine Miete zu zahlen. Sie bringen gefälschte Gehaltsnachweise, manipulierte Schufa-Auskünfte und erfundene Referenzen mit. Sie unterschreiben den Mietvertrag, ziehen ein - und dann hört alles auf. Keine Antwort auf Mahnungen. Keine Reaktion auf Kündigungen. Sie verschwinden, oft mit Einbauten, Fliesen, Küchen oder sogar Heizkörpern. Was bleibt, ist eine kaputte Wohnung, eine leere Bank und ein langer Rechtsstreit.

Der Unterschied zu normalen Zahlungsrückständen ist klar: Ein Mieter, der wegen Krankheit oder Jobverlust nicht zahlen kann, spricht meist noch. Er sucht Lösungen. Ein Mietnomade ignoriert alles. Er hat nie vor, zu zahlen. Das ist der Kern: Vorsatz. Und das ist strafbar. Gemäß § 263 StGB handelt es sich um Eingehungsbetrug - und das kann bis zu fünf Jahre Gefängnis bedeuten.

Wie viele Mietnomaden gibt es wirklich?

Es gibt keine offizielle Statistik. Die Zahlen schwanken zwischen 1.000 und 15.000 Fällen pro Jahr. Warum? Weil viele Vermieter es nicht melden. Sie schämen sich. Sie denken, es sei ihre Schuld. Oder sie haben Angst, dass es ihre nächste Vermietung beeinflusst. Doch die Realität ist: Mietnomaden machen weniger als 0,1 % aller Mietverhältnisse aus. Aber sie verursachen überproportional viel Schaden. Ein einzelner Fall kostet durchschnittlich 15.000 bis 25.000 Euro - manchmal mehr. Laut Erfahrungsberichten von Vermietern auf ImmobilienScout24 liegen die Schäden bei 28.500 Euro, wenn Miete, Räumung und Renovierung zusammengezählt werden.

Die meisten Fälle passieren in Großstädten. Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt. Dort ist der Wohnungsmarkt angespannt. Dort sind Mieter leichter zu täuschen. Dort gibt es mehr anonyme Vermietungen über Kleinanzeigen. Und dort gibt es Netzwerke, die gefälschte Dokumente anbieten - professionell, günstig, fast unerkannt.

Was tun, wenn Sie einen Mietnomaden vermuten?

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser. Und bei Mietinteressenten ist Kontrolle Pflicht. Hier sind die fünf wichtigsten Schritte, die jeder Vermieter befolgen sollte:

  1. Prüfen Sie drei echte Gehaltsabrechnungen - nicht nur eine Bescheinigung vom Arbeitgeber. Ein echter Lohnnachweis zeigt die letzten sechs Monate, mit echten Kontonummern, Steueridentifikationsnummern und Unterschriften. Fälschungen erkennen Sie oft an fehlenden Bankstempeln oder identischen Beträgen über mehrere Monate.
  2. Führen Sie eine persönliche Besichtigung durch - nicht nur online. Fragen Sie nach dem Grund für den Umzug, nach der Familie, nach der Arbeit. Ein echter Mieter hat konkrete Antworten. Ein Betrüger stottert, weicht aus oder wiederholt Standardantworten.
  3. Kontaktieren Sie frühere Vermieter - nicht nur die Referenzen, die der Interessent mitbringt. Rufen Sie selbst an. Fragen Sie: "Wurde die Miete pünktlich gezahlt? Gab es Schäden? Würden Sie ihn wieder vermieten?" Viele geben zu, dass sie den Mieter nicht mehr haben wollen - aber sagen es nicht direkt.
  4. Prüfen Sie das Gewerbezentralregister - auch wenn der Mieter angibt, Angestellter zu sein. Manche Mietnomaden haben laufende Zwangsvollstreckungen, Insolvenzen oder offene Forderungen. Das Register kostet 15 Euro - und spart Tausende.
  5. Verlangen Sie die Schufa-Einwilligung - und prüfen Sie die Auskunft selbst. Keine E-Mail. Kein Link. Sondern eine offizielle, unterschriebene Auskunft. Und: Wenn die Miete mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens beträgt, sollten Sie skeptisch werden. Das ist kein sicheres Zeichen für Zahlungsfähigkeit - sondern für Belastung.

Dokumentieren Sie alles. Fotos vom Zustand vor dem Einzug. Schriftliche Mahnungen mit Einschreiben. Kopien des Personalausweises mit Unterschrift: "Im Original gesehen". Diese Unterlagen brauchen Sie später - wenn es zum Gericht geht.

Ein Mieter schleicht mit gestohlenen Kücheneinbauten aus einem Mehrfamilienhaus in Berlin.

Was passiert, wenn der Mieter nicht zahlt?

Wenn die Miete aussteht, müssen Sie nicht tatenlos zusehen. Nach § 543 BGB können Sie fristlos kündigen, wenn zwei Monatsmieten nicht gezahlt wurden. Aber: Die Kündigung allein bringt nichts. Sie brauchen eine Räumungsklage. Und die dauert. Im Durchschnitt 9 bis 15 Monate. In dieser Zeit läuft die Miete weiter - und Sie zahlen die Nebenkosten, die Steuern, die Versicherung.

Wichtig: Ein Gerichtsvollzieher kommt erst, wenn der Richter es anordnet. Und er räumt nur die Wohnung. Nicht die Schäden. Nicht die Rechnungen. Nicht die vermissten Einbauten. Die müssen Sie selbst regeln - und das kostet Geld. Deshalb: Je schneller Sie handeln, desto weniger verlieren Sie. Kündigen Sie nicht nur, sondern klagen Sie. Sofort.

Was hilft wirklich: Versicherungen und Dienstleister

Es gibt keine 100%-ige Sicherheit. Aber es gibt Schutz. Spezialisierte Versicherungen wie von Allianz oder AXA decken Schäden bis zu 25.000 Euro ab - inklusive ausstehender Miete, Räumungskosten und Reparaturen. Die Jahresprämie liegt zwischen 120 und 350 Euro. Die Selbstbeteiligung beträgt 10-15 %. Für viele Vermieter lohnt sich das. Vor allem, wenn Sie nur eine oder zwei Wohnungen haben.

Dazu kommen Dienstleister wie MieterCheck24 oder SecureRent. Sie führen ein professionelles Screening durch: Schufa, Gewerbezentralregister, Einkommensprüfung, Referenzcheck. Für 49 bis 89 Euro pro Prüfung. Laut einer Studie des GdW nutzen bereits 42 % der professionellen Vermieter solche Dienste. Bei privaten Vermietern sind es nur 18 %. Das ist ein riesiges Risiko. Ein Screening kostet weniger als eine einzige Mietnomaden-Regeneration.

Aber Achtung: Wer "100 %ige Sicherheit" verspricht, lügt. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Stiftung Warentest warnt: Solche Angebote sind unseriös. Verlassen Sie sich nicht auf Worte - sondern auf Prozesse.

Vergleich: Ein sorgfältiger Vermieter prüft Dokumente – gegenüber einem Betrüger, der Fälschungen erstellt.

Was ändert sich 2026? Neue Gesetze und digitale Lösungen

Seit Januar 2024 testet die Bundesregierung eine zentrale Mieterschutzdatei. In dieser Datenbank können Vermieter Mieter eintragen, die nachgewiesen betrügerisch gehandelt haben. Das soll künftig verhindern, dass ein Mietnomade von einer Stadt zur nächsten zieht. Datenschutz ist noch ein Problem - aber die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. In den Niederlanden, wo so ein System seit 2020 läuft, sank die Zahl der Fälle um 35 %. Deutschland könnte ähnliche Erfolge sehen.

Zusätzlich steigt die Zahl der Fälle. Die Inflation von 2022 bis 2023 hat viele Haushalte unter Druck gesetzt. Die Mieten stiegen um 58 % in den Großstädten - das Einkommen nur um 17 %. Das schafft ein Risikofeld. Menschen, die früher zahlen konnten, können es heute nicht mehr. Und manche entscheiden sich für Betrug, statt zu verlieren. Die Kombination aus hohen Mieten und schwacher Kontrolle macht Mietnomaden attraktiver.

Was Sie jetzt tun können

Sie sind Vermieter? Dann hören Sie auf, zu hoffen. Fangen Sie an, zu prüfen.

  • Verwenden Sie keine Kleinanzeigenportale für die Vermietung - oder nur mit vorausgegangenem Screening.
  • Verlangen Sie immer drei Gehaltsnachweise, nicht nur eine Bescheinigung.
  • Prüfen Sie die Schufa und das Gewerbezentralregister - nie nur mündlich.
  • Vermeiden Sie Mietverträge ohne persönliche Besichtigung.
  • Investieren Sie in eine Mietnomadenversicherung - auch wenn sie nur 200 Euro kostet.
  • Setzen Sie auf Dokumentation: Fotos, Schreiben, Unterschriften.

Und wenn es doch passiert: Handeln Sie schnell. Kündigen Sie fristlos. Klagen Sie. Holen Sie sich rechtliche Unterstützung. Ein Anwalt für Mietrecht kostet nicht so viel wie ein halbes Jahr verlorene Miete.

Mietnomaden sind kein Mythos. Sie sind eine reale Gefahr. Aber sie sind kein unvermeidbares Risiko. Sie sind vermeidbar. Mit Wissen. Mit Disziplin. Mit klaren Regeln. Wer heute vorsorgt, spart morgen Tausende.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zahlungsrückstand und einem Mietnomaden?

Ein Mieter mit Zahlungsrückstand hat Schwierigkeiten - aber will zahlen. Er spricht, bittet um Zeit, schlägt Raten vor. Ein Mietnomade hat von Anfang an vor, nicht zu zahlen. Er lügt bei der Bewerbung, ignoriert alle Kommunikation und verschwindet mit Schäden. Der Unterschied ist der Vorsatz - und das macht den Betrug aus.

Kann ich einen Mietnomaden strafrechtlich verfolgen?

Ja. Wenn Sie nachweisen können, dass der Mieter bei Vertragsabschluss bewusst falsche Angaben gemacht hat - etwa gefälschte Gehaltsnachweise oder eine manipulierte Schufa -, liegt Eingehungsbetrug vor (§ 263 StGB). Sie können Anzeige erstatten. Die Polizei prüft dann. Strafen können bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sein. Aber: Der Strafprozess läuft parallel zum Zivilverfahren. Er ersetzt nicht die Räumungsklage.

Was kostet ein professionelles Mieterscreening?

Ein professionelles Screening kostet zwischen 49 und 89 Euro. Dazu gehören: Schufa-Auskunft, Prüfung des Gewerbezentralregisters, Überprüfung von Einkommensnachweisen und Referenzcheck. Für diesen Preis vermeiden Sie oft Schäden von 15.000 Euro und mehr. Es ist eine Investition - kein Aufwand.

Warum ist die Schufa-Auskunft so wichtig?

Die Schufa zeigt nicht nur, ob jemand Schulden hat - sondern auch, ob er regelmäßig Zahlungen leistet. Ein Mieter mit negativer Schufa ist kein automatischer Betrüger - aber er ist ein Risiko. Wenn er die Auskunft nicht genehmigt, ist das ein Warnsignal. Wer nichts zu verbergen hat, gibt die Einwilligung. Wer sie verweigert, hat meistens etwas zu verbergen.

Sind Mietnomadenversicherungen sinnvoll?

Ja - besonders für private Vermieter mit nur einer oder zwei Wohnungen. Die Versicherung übernimmt Mietausfall, Räumungskosten und Reparaturen. Die Jahresprämie liegt bei 120-350 Euro. Die Selbstbeteiligung beträgt 10-15 %. Wenn Sie schon einmal einen Mietnomaden hatten, lohnt sich die Versicherung. Sie schützt nicht vor Betrug - aber vor dem finanziellen Schaden.

Was tun, wenn der Mieter Einbauten mitnimmt?

Dokumentieren Sie sofort: Fotos vom Zustand vor dem Einzug. Beweisen Sie, dass die Einbauten fest installiert waren. Melden Sie den Schaden bei der Versicherung. Erstatten Sie Anzeige wegen Sachbeschädigung und Diebstahl. Die Polizei kann die gestohlenen Gegenstände oft über Online-Märkte wie eBay Kleinanzeigen zurückverfolgen. Viele Mietnomaden verkaufen die Einbauten sofort - und hinterlassen digitale Spuren.