Wenn du in einer älteren Wohnung oder einem Haus lebst und dich fragst, ob sich eine Fußbodenheizung lohnt - dann bist du nicht allein. Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland entscheiden sich dafür, ihre alte Heizung durch eine moderne Fußbodenheizung zu ersetzen. Es geht nicht nur um Komfort, sondern um echte Energieeinsparungen und ein besseres Raumklima. Aber wie viel Aufwand steckt dahinter? Und lohnt sich das wirklich, wenn du schon seit Jahren in deinem Altbau wohnst?
Warum Fußbodenheizung in Bestandsimmobilien?
Traditionelle Heizkörper erwärmen die Luft von oben nach unten. Das führt zu ungleichmäßiger Wärmeverteilung: heiß an der Wand, kalt am Boden. Eine Fußbodenheizung hingegen strahlt Wärme gleichmäßig von unten nach oben. Die Raumtemperatur bleibt konstant bei 24 bis 26 Grad - und das spürst du. Keine kalten Füße mehr, kein Zugluftgefühl. Besonders für Allergiker ist das ein großer Vorteil, denn es wird weniger Staub aufgewirbelt. Das bestätigt auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) in seinem aktuellen Positionspapier.
Ein weiterer Grund: Fußbodenheizungen arbeiten mit niedrigeren Vorlauftemperaturen. Während Heizkörper oft mit 60 bis 70 Grad laufen, reichen bei Fußbodenheizungen 35 bis 45 Grad aus. Das macht sie ideal für Wärmepumpen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat berechnet: Wer eine Fußbodenheizung mit einer Wärmepumpe kombiniert, reduziert seine CO₂-Emissionen um bis zu 30 Prozent. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für deine Heizkostenrechnung.
Welche Systeme gibt es - und was kostet was?
Nicht alle Fußbodenheizungen sind gleich. Es gibt drei Haupttypen: Nasssysteme, Trockensysteme und elektrische Systeme. Jedes hat seine Vor- und Nachteile - besonders beim Nachrüsten in Bestandsbauten.
- Nasssysteme: Die klassische Variante. Heizrohre werden in einen frischen Estrich eingebettet. Die Materialkosten liegen bei 50 bis 90 Euro pro Quadratmeter, dazu kommen etwa 15 Euro für die Verlegung. Aber: Du musst den alten Boden komplett entfernen. Das kostet nochmal 20 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Gesamt: 70 bis 130 Euro/m². Die Aufbauhöhe beträgt 15 bis 20 cm - das ist viel, besonders in Altbauten mit niedrigen Decken.
- Trockensysteme: Kein nasser Estrich. Stattdessen werden spezielle Platten auf den bestehenden Boden gelegt, und die Rohre werden darin verlegt. Die Materialkosten liegen zwischen 80 und 110 Euro/m², Einbau etwa 17 Euro/m². Gesamt: 97 bis 127 Euro/m². Die Aufbauhöhe ist mit 8 bis 12 cm deutlich geringer. Ideal für Altbauten, wo jede Zentimeter zählt.
- Elektrische Systeme: Die günstigste Variante: Material 20 bis 40 Euro/m², Einbau etwa 10 Euro/m². Aber: Die Betriebskosten sind hoch. Diese Systeme eignen sich nur für kleine Flächen wie Badezimmer oder Flure. Für die ganze Wohnung ist das teuer im laufenden Betrieb.
Die Stiftung Warentest hat 2024 verschiedene Systeme getestet. Nasssysteme bekamen die beste Note: 2,3 (gut). Trockensysteme lagen mit 2,8 (gut) dahinter. Elektrische Systeme schnitten mit 3,5 (befriedigend) deutlich schlechter ab - vor allem wegen der hohen Stromkosten.
Was kostet die gesamte Sanierung?
Die Kosten für eine Fußbodenheizung hängen nicht nur vom System ab. Es gibt viele versteckte Posten, die oft im Kostenvoranschlag fehlen.
- Entfernung des alten Bodens und Estrichs: 20-40 €/m²
- Entfernung der alten Heizkörper: 20-40 € pro Stück
- Wasseranschluss: 100-500 €, je nach Lage und Anschlussmöglichkeit
- Heizungsanlage umrüsten: Wenn du einen alten Öl- oder Gasheizkessel hast, musst du ihn oft komplett austauschen - das kostet 1.000 bis 2.000 €
- Neue Türschwellen: Wenn der Boden höher wird, passen Türen nicht mehr. Neue Schwellen kosten oft 800-1.500 €
Bei einer 100 m²-Wohnung rechnest du mit Gesamtkosten zwischen 5.700 und 22.000 Euro. Das klingt viel. Aber: Die Förderung macht den Unterschied.
Förderung: Bis zu 20 % vom Staat
Die Bundesregierung unterstützt die Modernisierung mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Du bekommst bis zu 20 Prozent der Kosten erstattet - maximal 60.000 Euro pro Wohnung. Das ist kein Kleingeld. Bei einer Sanierung mit 15.000 Euro Kosten sparst du 3.000 Euro. Und wenn du zusätzlich eine Wärmepumpe einbaust, gibt’s nochmal 30 Prozent extra. Das macht zusammen bis zu 50 Prozent Förderung.
Ein weiterer Vorteil: Viele Bundesländer haben eigene Programme. In Berlin wurden 2023 allein 12.500 Fußbodenheizungen im Altbau gefördert. Die Stadt nennt das „Modernisierung plus“. Mach dir also immer die Zeit, die Fördermöglichkeiten in deinem Bundesland zu prüfen.
Was du beim Bodenbelag beachten musst
Nicht jeder Bodenbelag eignet sich für Fußbodenheizung. Das ist ein häufiger Fehler. Ein Teppichboden mit dicker Unterlage blockiert die Wärme. Der Deutsche Verband der Parkett- und Fußbodenfachbetriebe (DVPF) sagt klar: Der Wärmedurchlasswiderstand darf nicht höher als 0,15 m²K/W sein.
- Optimal: Keramik, Stein, Fliesen - leiten Wärme sehr gut
- Gut: Laminat, Parkett (mit speziellem Unterbau und geringer Dicke)
- Nicht geeignet: Dickflorige Teppiche, Kork mit hoher Dicke, Holzplatten mit Holzfaserdämmung
Wenn du dich für Parkett entscheidest, musst du auf die richtige Verlegung achten. Nicht jede Art ist geeignet. Frag deinen Bodenleger, welches Produkt für Heizung geeignet ist - und lass dir das schriftlich bestätigen.
Wie lange dauert die Sanierung?
Die Planung dauert 4 bis 6 Wochen. Du brauchst einen Fachmann, der den Altbau begutachtet, die Tragfähigkeit prüft und die Rohrverlegung plant. Dann kommt die Ausführung:
- Alten Boden und Estrich entfernen
- Dämmung verlegen (Wärmeleitfähigkeit max. 0,040 W/(m·K))
- Heizrohre oder Heizmatten einbauen
- Neuen Estrich aufbringen (bei Nasssystem) oder Trockenestrich verlegen
- Bodenbelag verlegen
- Heizungsanlage umstellen und einregulieren
Bei 100 m² Fläche brauchst du etwa 2 bis 3 Wochen für die Arbeit - vorausgesetzt, alles läuft reibungslos. Aber: In Altbauten gibt es oft Überraschungen. Eine alte Leitung, ein feuchter Untergrund, ein nicht tragfähiger Boden - das kann den Zeitplan um eine Woche oder mehr verzögern.
Was Experten sagen - und was Nutzer berichten
Dipl.-Ing. Thomas Müller vom Institut für Gebäudeenergetik in Stuttgart sagt: „Bei korrekter Planung amortisieren sich Fußbodenheizungen in Altbauten innerhalb von 10 bis 15 Jahren.“ Das klingt nach langem Warten. Aber: Heizkosten steigen. Wenn du heute 1.500 Euro im Jahr für Heizung ausgibst, wirst du in 10 Jahren vielleicht 2.500 Euro zahlen. Mit einer Fußbodenheizung sparst du 10 bis 20 Prozent - das sind 150 bis 300 Euro pro Jahr. In 12 Jahren hast du die Investition also wieder reingeholt.
Prof. Dr. Sabine Bode von der TU Berlin warnt dagegen: „In vielen Altbauten ist der Aufwand so hoch, dass die Energieeinsparungen fast wieder aufgefressen werden.“ Das gilt besonders für Gebäude vor 1918 mit niedrigen Decken. Wenn du nur 12 cm Spielraum hast, musst du auf ein Trockensystem setzen - und das ist teurer.
Was Nutzer sagen? Auf HausForum.de berichtet „Sanierer2023“: „Nach 18 Monaten sparen wir 17 % Heizkosten. Die 12.500 € haben sich gelohnt.“ Aber „Altbau-Frust“ klagt: „Die Türschwellen haben uns 1.200 € gekostet - das stand nirgendwo im Angebot.“
Die Umfrage des Deutschen Mieterbunds zeigt: 68 % der Nutzer sind zufrieden. 22 % haben Probleme mit der Planung. 10 % mit der Ausführung. Die größten Anbieter - Vaillant, Bosch, Buderus - haben auf Trustpilot eine durchschnittliche Bewertung von 4,2 von 5 Sternen. Die Beratung ist gut. Aber: Die Komplexität wird oft unterschätzt.
Was kommt als Nächstes? Zukunftstechnologien
Seit Anfang 2024 gibt es intelligente Regelungen wie Tado° oder Bosch Heat Tec. Diese Systeme lernen dein Verhalten, verbinden sich mit Wetterdaten und passen die Temperatur automatisch an. Das spart weitere 5 bis 8 Prozent Energie - ohne dass du etwas tun musst.
Auch die Technik der Heizrohre verbessert sich. Buderus hat auf der ISH 2023 ein neues dünnschichtiges System vorgestellt, das nur noch 8 bis 10 cm Aufbauhöhe braucht. Das macht Nachrüsten in fast jedem Altbau möglich.
Die Bundesregierung treibt die Entwicklung voran. Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab 2024 müssen alte Heizungen nach und nach ausgetauscht werden. Wer jetzt umrüstet, ist auf der sicheren Seite - und profitiert von den Förderungen, die bald möglicherweise strenger werden.
Fazit: Lohnt sich das?
Ja - aber nur, wenn du es richtig machst.
Wenn du in einem Altbau lebst, der nach 1945 gebaut wurde, und du eine sanierungsreife Wohnung hast - dann ist eine Fußbodenheizung eine der besten Investitionen, die du in deinen Wohnraum tätigen kannst. Du sparst Energie, steigerst den Komfort und erhöhst den Wert deiner Immobilie.
Aber: Lass dich nicht von billigen Angeboten locken. Prüfe die Förderung. Lass dich von einem Experten beraten. Und vergiss nicht: Die richtige Planung ist wichtiger als der billigste Preis.
Wer heute investiert, zahlt nicht nur für Heizung - er investiert in ein besseres Zuhause. Und das zahlt sich aus - langfristig, spürbar, wirklich.
Veronika H.
Januar 6, 2026 AT 12:11Ich hab das gemacht. Jetzt hab ich kalte Füße weil der Bodenbelag nicht passt. Und nein, ich hab nicht gelesen was da stand.
So einfach ist das.