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Erdbebensichere Ertüchtigung von Gebäuden: Maßnahmen, Kosten & Praxisbeispiele


Erdbebensichere Ertüchtigung von Gebäuden: Maßnahmen, Kosten & Praxisbeispiele
Feb, 4 2026

Erdbebensichere Ertüchtigungist die nachträgliche Verbesserung der Erdbebenwiderstandsfähigkeit bestehender Gebäude, um Schäden bei seismischen Ereignissen zu minimieren und die Sicherheit von Menschen zu gewährleisten.

In Deutschland und der Schweiz stehen viele Gebäude nicht den aktuellen Anforderungen für Erdbebensicherheit nach. Doch wie lässt sich ein bestehendes Gebäude sicherer machen? Die Antwort: gezielte Ertüchtigungsmaßnahmen. Doch welche Optionen gibt es und was kostet das? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist Erdbebensichere Ertüchtigung?

SIA 269/8ist die Schweizer Norm für Erdbebenberechnung, die den Erfüllungsfaktor (aeff) eines Gebäudes berechnet und die Notwendigkeit von Sanierungen festlegt. Diese Norm definiert, wie stark ein Gebäude einem Erdbeben standhalten muss. Ein Bemessungserdbeben ist ein Ereignis, das statistisch einmal in 500 Jahren an einem Standort zu erwarten ist. Das Ziel ist, dass Gebäude nicht einstürzen und noch evakuiert werden können, auch wenn starke Schäden entstehen.

In Deutschland gelten die DIN 4149für Erdbebenzonen 1-3, die als verbindliche Richtlinie für Erdbebensicherheit dienen.. Die Normen unterscheiden zwischen verschiedenen Bauwerksklassen: Wohnhäuser (Klasse I) haben weniger strenge Anforderungen als kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser (Klasse III). Ohne gezielte Maßnahmen wären viele Gebäude in seismischen Zonen gefährdet.

Wichtige Maßnahmen für mehr Sicherheit

Die Erdbebensichere Ertüchtigung erfordert maßgeschneiderte Lösungen. Häufige Methoden sind:

  • Scherwändezusätzliche Wände, die seitliche Kräfte absorbieren und die strukturelle Integrität erhöhen.: In einem Bürogebäude in Zürich wurden Scherwände eingezogen, was die Erdbebensicherheit um 40% verbesserte. Diese Maßnahme ist kosteneffizient und eignet sich besonders für Stahlbetonskelettbauten.
  • Stahlrahmenverbinden Decken und Wände, um eine tragende Hülle zu schaffen, die Schwingungen besser verteilt.: Bei einem historischen Gebäude in Luzern sorgten Stahlrahmen für die erforderliche Stabilität, ohne den Denkmalschutz zu beeinträchtigen. Sie sind ideal für Gebäude mit offenen Grundrissen.
  • Basisisolationeine elastische Lagerung des Bauwerks, die Erdbebenergie abfängt wie ein Stoßdämpfer.: In einem Schweizer Spital wurde eine Basisisolation mit Gummisockeln installiert. Dies reduzierte die Schwingungen um 70% und verhinderte schwerwiegende Schäden bei einem Erdbeben der Stärke 6,0.
  • Dämpfungssystemeviskose oder reibungsbasierte Dämpfer, die Bewegungsenergie verpuffen, bevor sie die Tragstruktur belastet.: Diese Systeme werden häufig in Brückenpfeilern oder Hochhauskernen nachgerüstet. Ein Beispiel ist die BAFU(Bundesamt für Umwelt), das in der Schweiz Leitfäden für Erdbebenrisikomanagement veröffentlicht..

Fassadenversteifungen durch Verstrebungen sind eine weitere Option. Sie stabilisieren einzelne Felder der Fassade, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern. Dies ist besonders wichtig für historische Baudenkmäler, bei denen die Interessenabwägung zwischen Denkmalschutz und Sicherheit entscheidend ist.

Schnittansicht einer Basisisolation unter einem Krankenhaus mit Gummiblöcken.

Kosten: Was kostet eine Erdbebensicherung?

Vergleich der Erdbebenmaßnahmen und Kosten
Maßnahme Kosten (pro m²) Eignung Typische Anwendung
Scherwände 150-300 € Hoch Bürogebäude, Wohnhäuser
Stahlrahmen 200-400 € Mittel Historische Gebäude, offene Grundrisse
Basisisolation 500-1.200 € Hoch Krankenhäuser, kritische Infrastrukturen
Dämpfungssysteme 300-600 € Mittel Hochhäuser, Brücken

Die Gesamtkosten hängen stark von der Gebäudegröße und dem Sicherheitsniveau ab. Eine retrospektive Untersuchung von fünf Verwaltungsgebäuden des Bundes ergab, dass die Mehrkosten der Erdbebensicherung maximal 0,3 % der gesamten Baukosten betragen. Für Neubauten werden lediglich 1-2 % der Baukosten für Erdbebenmaßnahmen reserviert, was bei einem typischen Einfamilienhaus 5.000 bis 10.000 Franken entspricht. Die Überprüfungs- und Analysekosten variieren stark: bei einem mittelgroßen Gebäude liegen sie zwischen 15.000 und 50.000 Franken.

Laut SIA 269/8 gelten Investitionen bis 10 Millionen Franken als "verhältnismäßig" und bis 100 Millionen Franken pro gerettetem Menschenleben als "zumutbar". Dies zeigt, dass präventive Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind. Prof. Dr. Jürgen Schlüter vom Institut für Erdbebenforschung betont: "Auch bei Nichteinhaltung des erdbebengerechten Entwurfs sind Mehrkosten von wenigen Prozenten der Baukosten zu erwarten." Erdbebenfestes Gebäude bleibt unversehrt, während benachbarte Strukturen beschädigt sind.

Praxisbeispiele: Wie funktioniert es in der Realität?

Ein kritisches Beispiel ist die Sanierung eines historischen Schulgebäudes in Bern. Die Gebäudehülle musste erhalten bleiben, während die Tragstruktur erdbebensicher gemacht wurde. Durch eine Kombination aus Stahlrahmen und Fassadenverstrebungen gelang es, den Erfüllungsfaktor (aeff) von 0,4 auf 0,8 zu erhöhen. Die Kosten lagen bei 1,2 Millionen Franken - ein Bruchteil der Kosten für einen Neubau.

Ein anderes Beispiel ist das BAFU-Gebäude in Bern, das mit Basisisolation ausgestattet wurde. Bei einem Erdbeben der Stärke 6,0 blieb das Gebäude unbeschadet, während benachbarte Gebäude Schäden erlitten. Dies zeigt, wie effektiv moderne Ertüchtigungsmaßnahmen sein können.

Die Schweizer SIA(Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) berichtet, dass 78% der bestehenden Gebäude in der Schweiz einen Erfüllungsfaktor unter 0,6 haben. Das bedeutet, dass sie nicht den aktuellen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Der Markt für Erdbebenertüchtigung wächst jährlich um 5,1% und wurde 2023 auf 185 Millionen Franken geschätzt.

Expertenmeinungen und aktuelle Trends

Dr. Martin Wuest, Leiter des Fachbereichs Strukturengineering bei WuestPartner, betont: "Für Gebäude-Portfolios muss eine systematische Erfassung und Priorisierung der Gebäude bezüglich ihrer Erdbebensicherheit erfolgen." Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) empfiehlt ein stufenweises Verfahren, das die systematische Überprüfung und Verbesserung der Erdbebensicherheit im Erneuerungszyklus mit einer einmaligen Priorisierung kombiniert.

Aktuelle Entwicklungen zeigen eine verstärkte Digitalisierung der Planungsprozesse. BIM-Methoden(Building Information Modeling) ermöglichen effizientere Planung von Erdbebenertüchtigungsmaßnahmen. Prof. Dr. Andreas Fritsche vom Eidgenössischen Institut für Geotechnik prognostiziert eine verstärkte Nutzung von innovativen Materialien wie Formgedächtnislegierungen und Carbonfaserverbundwerkstoffen, die die Kosten um bis zu 15% senken könnten.

Die langfristige Tragfähigkeit der Maßnahmen wird als hoch eingeschätzt. Experten gehen davon aus, dass bis 2040 rund 65% der bestehenden Gebäude in der Schweiz eine Erdbebenertüchtigung benötigen werden, was einen Gesamtbedarf von etwa 12 Milliarden Franken bedeutet. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, bestehende Gebäude jetzt zu sichern.

Was ist der Erfüllungsfaktor (aeff) und warum ist er wichtig?

Der Erfüllungsfaktor (aeff) ist ein Maß dafür, wie gut ein Gebäude den aktuellen Erdbebenanforderungen entspricht. Er wird nach SIA 269/8 berechnet und liegt zwischen 0 und 1. Ein Wert unter 0,6 bedeutet, dass das Gebäude nicht den Sicherheitsanforderungen genügt und eine Ertüchtigung erforderlich ist. Ein Wert über 0,8 gilt als ausreichend sicher. Der aeff berücksichtigt Faktoren wie Bauweise, Material und Standort.

Wann ist eine Erdbebensicherung für ein Gebäude erforderlich?

Eine Ertüchtigung ist erforderlich, wenn der Erfüllungsfaktor (aeff) unter 0,6 liegt oder wenn das Gebäude in einer seismisch aktiven Zone steht. Besonders kritisch sind Gebäude mit hoher Personenbelegung wie Schulen, Krankenhäuser oder Bürokomplexe. Auch bei Renovierungen oder Umbauten müssen die Erdbebensicherheit geprüft und ggf. verbessert werden. Praktische Erfahrungen zeigen, dass es oft kostengünstiger ist, Maßnahmen beim nächsten Sanierungszyklus umzusetzen, als eine separate Sanierung durchzuführen.

Kann man historische Gebäude sicherer machen, ohne ihren Charakter zu verlieren?

Ja, das ist möglich. Moderne Methoden wie unsichtbare Verstrebungen, leichte Stahlrahmen oder spezielle Dämpfungssysteme ermöglichen es, die Struktur zu sichern, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern. Ein Beispiel ist das Sanierungsprojekt einer alten Kirche in Luzern, bei dem innenliegende Scherwände und Carbonfaserverstärkungen eingesetzt wurden. Dies sicherte das Gebäude gegen Erdbeben, ohne den Denkmalschutz zu beeinträchtigen. Die Zusammenarbeit mit Architekten und Denkmalschützern ist dabei entscheidend.

Wie hoch sind die Kosten für eine Erdbebensicherung im Vergleich zu einem Neubau?

Die Kosten für eine Ertüchtigung liegen in der Regel deutlich unter den Kosten eines Neubaus. Für ein bestehendes Bürogebäude betragen die Mehrkosten typischerweise 1-2 % der Gesamtbaukosten, während ein Neubau mit Erdbebensicherheit etwa 5-7 % der Baukosten erfordert. Ein Beispiel: Die Sanierung eines 2.000 m² großen Bürogebäudes in Zürich kostete 1,5 Millionen Franken, während ein Neubau mit ähnlicher Sicherheit etwa 3,2 Millionen Franken gekostet hätte. Dies macht Ertüchtigungen wirtschaftlich attraktiv, besonders bei bestehenden Gebäuden mit hoher Nutzungsdauer.

Welche Rolle spielen BIM-Methoden bei Erdbebensicherungen?

BIM (Building Information Modeling) ermöglicht eine digitale Planung, die alle Aspekte eines Gebäudes - von der Struktur bis zu den Materialien - in einem Modell zusammenführt. Dies erleichtert die Simulation von Erdbebenbelastungen und die Auswahl der optimalen Ertüchtigungsmaßnahmen. In der Praxis spart BIM bis zu 20 % der Planungszeit und reduziert Fehler, die zu teuren Nacharbeiten führen könnten. Ein Beispiel ist das Projekt eines Schweizer Krankenhauses, bei dem BIM die Planung von Basisisolation um 30 % effizienter gestaltete.

1 Comment

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    Max Summerfield

    Februar 4, 2026 AT 12:50

    Die Erdbebensichere Ertüchtigung ist ein wichtiger Schritt um Leben zu retten. Besonders historische Gebäude wie die Kirche in Luzern zeigen wie moderne Methoden funktionieren ohne Denkmalschutz zu beeinträchtigen. Architekten und Ingenieure müssen zusammenarbeiten um sicher und ästhetisch zu sein. Die Kosten sind hoch aber im Vergleich zu Neubau oder Folgeschäden lohnt es sich. In der Schweiz viele Gebäude nicht nach Standards also dringend nötig. SIA 269/8 Norm klare Richtlinien für aeff Berechnung. Unter 0,6 ist Sanierung zwingend für Schulen und Krankenhäuser. BIM-Methoden sparen Zeit und Kosten. Markt wächst jährlich um 5,1% das ist ermutigend. Sicherheit von Menschen geht über Geld. Hoffe mehr Gebäude sicherer gemacht werden. Die Verwendung von Formgedächtnislegierungen könnte Kosten senken. Ein Beispiel ist das BAFU-Gebäude in Bern das mit Basisisolation ausgestattet wurde. Bei einem Erdbeben der Stärke 6,0 blieb es unbeschadet. Experten gehen davon aus bis 2040 65% der Gebäude in der Schweiz Ertüchtigung benötigen.

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