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Denkmal saniert: Wie Sie ein historisches Haus erhalten und modernisieren - Schritt für Schritt


Denkmal saniert: Wie Sie ein historisches Haus erhalten und modernisieren - Schritt für Schritt
Feb, 25 2026

Ein historisches Haus zu sanieren, klingt wie ein Traum - mit hohen Decken, Stuckelementen und originalen Holzböden. Aber wer schon einmal ein denkmalgeschütztes Gebäude renoviert hat, weiß: Es ist kein gewöhnlicher Umbau. Es ist eine Balance zwischen Respekt vor der Vergangenheit und Anspruch an die Zukunft. In Deutschland gibt es rund 600.000 denkmalgeschützte Gebäude. Viele davon stehen leer, weil Eigentümer Angst haben vor Bürokratie, Kosten und Verbotszetteln. Dabei ist es möglich, ein altes Haus modern zu machen - ohne es zu entstellen. Hier ist, wie es wirklich funktioniert.

Erst genehmigen, dann sanieren - das ist die goldene Regel

Viele denken, sie könnten einfach loslegen: neue Fenster einbauen, die Fassade dämmen, die Heizung austauschen. Falsch. Bevor Sie auch nur einen Nagel in die Wand schlagen, müssen Sie die Genehmigung einholen. Das ist nicht optional. Wer ohne Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde arbeitet, riskiert Bußgelder bis zu 500.000 Euro - und muss eventuell alles wieder rückgängig machen. Die Genehmigung dauert im Durchschnitt 8 bis 12 Wochen. In manchen Bundesländern wie Sachsen oder Baden-Württemberg dauert es länger, wenn die Substanz besonders empfindlich ist. Wichtig: Sie brauchen einen Denkmalplaner oder zumindest einen Energieberater, der speziell für Baudenkmäler zertifiziert ist (WTA-Zertifikat). Ohne ihn läuft nichts.

Was darf man wirklich ändern? Die Grenzen der Sanierung

Historische Fassaden, Fenster, Türen, Treppen, Stuck - alles das bleibt, wenn es noch existiert. Die Vorgabe ist klar: Erhalte, was da ist. Aber das bedeutet nicht: Alles bleibt, wie es ist. Es gibt cleverere Lösungen. Zum Beispiel: Innendämmung. Viele Eigentümer hoffen, dass sie alte Holzfenster durch moderne Isoliergläser ersetzen dürfen. Das ist in den meisten Fällen untersagt. Stattdessen wird empfohlen, die Fenster zu sanieren: Dichtungen erneuern, Beschläge austauschen, zusätzliche Verglasungen von innen einzubauen. So bleibt die äußere Erscheinung erhalten, aber die Energiebilanz verbessert sich. Ein Beispiel aus München: Ein Gründerzeit-Haus aus 1890 bekam nach sanierter Fensteranlage und Innendämmung eine Wärmedämmung von U-Wert 0,45 W/m²K - das ist fast so gut wie ein Neubau. Und die Fassade? Unverändert. Die Denkmalschutzbehörde hat unterschrieben.

Energetische Sanierung: Wie man spart, ohne zu zerstören

Die EnEV 2020 und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab 2024 machen für Denkmäler Sonderregelungen. Sie müssen nicht so hohe Dämmwerte erreichen wie normale Häuser. Ein Neubau braucht U-Werte von 0,20. Ein Denkmal darf bis zu 15% schlechter sein - also bis zu 0,23 W/m²K. Das klingt nach Nachsicht, ist aber in der Praxis eine Herausforderung. Denn die Dämmung muss unsichtbar sein. Die Lösung? Innendämmung mit mineralischen Materialien wie Kalk- oder Holzfaserplatten. Diese sind diffusionsoffen, verhindern Feuchtigkeitsschäden und passen sich der historischen Bausubstanz an. Dämmung von außen? Nur in Ausnahmefällen, wenn die Fassade ohnehin erneuert werden muss. Und selbst dann: Nur, wenn das Aussehen des Gebäudes nicht verändert wird. Die KfW hat dafür ein eigenes Förderprogramm: Effizienzhaus Denkmal. Es zahlt bis zu 25% der Kosten - vorausgesetzt, die Maßnahmen sind mit dem Denkmalschutz vereinbar und werden von einem zertifizierten Experten geplant.

Innendämmung mit Kalkputz wird an Wänden eines historischen Wohnhauses angebracht, originaler Stuck und Parkett bleiben sichtbar.

Förderung: Woher kommt das Geld?

Die Sanierung kostet 20 bis 30% mehr als bei einem normalen Haus. Aber es gibt Hilfe. Die KfW fördert mit Programm 432 - bis zu 25% der Investitionskosten. Seit Mai 2023 ist die Förderquote sogar um 5% gestiegen. Dazu kommen Landesprogramme. In Bayern gibt es den Denkmalbonus, in Nordrhein-Westfalen das Programm Historische Stadt- und Ortskerne mit bis zu 40% Zuschuss. In München wurden 2022 durchschnittlich 28.500 Euro pro Objekt gezahlt. Und das ist nicht alles: Die Sanierungskosten lassen sich steuerlich absetzen. Über die Abnutzung (AfA) können Sie 9% der Kosten pro Jahr über 10 Jahre von der Steuer abziehen. Das macht das Objekt für Investoren attraktiv. 37% aller denkmalgeschützten Mehrfamilienhäuser in Deutschland werden mittlerweile von institutionellen Anlegern gehalten - das war 2018 noch nur 28%.

Die Realität: Was Eigentümer wirklich erleben

Ein Nutzer auf immobilienscout24.de schreibt: „Nach 10 Monaten Genehmigungszeit, 5 Fachgesprächen und 3 Änderungsanträgen haben wir unser Haus saniert. Die Fassade ist original, die Heizung modern, und wir bekamen 23% Förderung.“ Gleichzeitig klagt ein anderer: „Wir wollten neue Fenster mit historischem Profil einbauen - drei Mal abgelehnt. Die Behörde wollte, dass wir die alten Glasflächen beibehalten. Die neuen Fenster kosteten 18.000 Euro, die alten waren kaputt. Wir haben 6 Monate verloren.“ Diese Erfahrungen sind typisch. Laut einer Umfrage des Deutschen Mieterbundes gaben 68% der Eigentümer an, dass die Kosten 25 bis 40% über dem ursprünglichen Budget lagen. Aber 74% sagten: „Es war kompliziert - aber es hat sich gelohnt.“ Warum? Weil das Haus wertvoller wurde. Ein denkmalgeschütztes Gebäude mit moderner Energiebilanz hat einen Marktwert, der bis zu 20% über dem eines normalen Altbau liegt.

Drei Szenen zeigen den Wandel eines Denkmals: von Verfall über Sanierung bis hin zu moderner Energieeffizienz ohne optische Veränderung.

Der Ablauf: Was Sie wirklich brauchen

  • Schritt 1: Bestandsaufnahme. Lassen Sie die Bausubstanz von einem Experten prüfen. Was ist noch intakt? Wo gibt es Feuchtigkeit? Welche Materialien wurden ursprünglich verwendet? Diese Analyse ist die Grundlage für alles.
  • Schritt 2: Energieberater hinzuziehen. Nur ein WTA-zertifizierter Berater kann den Sanierungsplan für die Behörde vorbereiten. Er weiß, welche Dämmung passt, welche Fenster erlaubt sind, wie die Lüftung funktionieren muss.
  • Schritt 3: Antrag stellen. Bei der Unteren Denkmalschutzbehörde Ihres Landkreises. Dazu gehören: Pläne, Materiallisten, Fotos, Gutachten. Keine Schmierzettel. Alles muss nachvollziehbar sein.
  • Schritt 4: Warten. In dieser Zeit finden meist 3 bis 5 Fachgespräche statt. Die Behörde prüft, ob die Maßnahmen mit dem Denkmalschutz vereinbar sind. Hier ist Geduld gefragt.
  • Schritt 5: Sanieren. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, beginnt die Arbeit. Die Handwerker müssen wissen, worauf es ankommt: Historische Techniken, alte Materialien, sanfte Bearbeitung.
  • Schritt 6: Abrechnen. Nach Abschluss beantragen Sie die Förderung. Die KfW und das Land prüfen die Rechnungen. Dann kommt das Geld.

Der gesamte Prozess dauert durchschnittlich 12 bis 18 Monate. 30 bis 40% dieser Zeit fließen in die Genehmigungsphase. Aber es lohnt sich. Denn am Ende steht nicht nur ein warmes, modernes Zuhause - sondern ein Stück Geschichte, das weiterlebt.

Was kommt? Die Zukunft der Denkmalssanierung

Ab 2026 werden 70% der Denkmalschutzbehörden in Deutschland digitale Planprüfungssysteme nutzen. Das bedeutet: Weniger Papier, schnellere Entscheidungen, klarere Vorgaben. Die KfW arbeitet an neuen Förderkriterien, die auch kleinere Sanierungen wie Fenstersanierung oder Heizungsaustausch mit einbeziehen. Und die Politik diskutiert, ob man die Sanierungsquote von derzeit 0,5% pro Jahr auf 1% erhöhen kann - ohne den Denkmalschutz zu opfern. Das ist die große Herausforderung: Wie schafft man es, dass mehr Häuser saniert werden, ohne dass sie ihre Seele verlieren? Die Antwort liegt in der Zusammenarbeit: zwischen Eigentümern, Behörden und Handwerkern. Wer das versteht, kann ein historisches Haus nicht nur retten - sondern zu etwas Neuem machen.

Kann ich bei einem Denkmal neue Fenster einbauen?

In den meisten Fällen nein. Historische Fenster müssen erhalten bleiben, wenn sie noch funktionstüchtig sind. Stattdessen werden sie saniert: Dichtungen erneuert, Beschläge ausgetauscht, zusätzliche Verglasungen von innen eingebaut. Nur wenn die Fenster völlig zerstört sind und ein Ersatz unvermeidlich ist, kann ein neues Fenster mit identischem Profil, Farbe und Glasstruktur genehmigt werden. Eine moderne Isolierverglasung ist fast nie erlaubt.

Wie teuer ist eine Denkmalssanierung im Vergleich zu einem normalen Altbau?

Eine Denkmalssanierung kostet im Durchschnitt 20 bis 30% mehr als eine normale Renovierung. Das liegt an den speziellen Materialien, den längeren Genehmigungszeiten und dem Aufwand für handwerkliche Detailarbeit. Ein Fensterwechsel kann bis zu 15.000 Euro kosten, wenn er denkmalgerecht erfolgt. Dazu kommen Planungs- und Gutachterkosten. Aber: Förderungen von KfW und Land können bis zu 40% der Kosten abdecken.

Darf ich eine Innendämmung einbauen, wenn die Fassade historisch ist?

Ja, das ist die empfohlene Lösung. Innendämmung mit diffusionsoffenen Materialien wie Kalk- oder Holzfaserplatten ist in den meisten Fällen genehmigt, da sie die historische Fassade nicht verändert. Sie verhindert Feuchtigkeitsschäden und erhöht die Energieeffizienz. Wichtig: Die Dämmung muss von einem zertifizierten Energieberater geplant werden, sonst entstehen Kondenswasserprobleme.

Welche Förderprogramme gibt es für Denkmäler?

Die wichtigsten Förderungen sind das KfW-Programm 432 (bis zu 25% Zuschuss), das Bundesprogramm „Historische Stadt- und Ortskerne“ (bis zu 40% in ausgewählten Gebieten) und landesweite Programme wie der „Denkmalbonus“ in Bayern oder „Altbausanierung“ in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommt die steuerliche Absetzbarkeit über die AfA (9% pro Jahr über 10 Jahre).

Was passiert, wenn ich ohne Genehmigung sanieren lasse?

Sie riskieren ein Bußgeld bis zu 500.000 Euro. Außerdem kann die Behörde einen Rückbau-Befehl erlassen - das bedeutet: Sie müssen alles, was Sie verändert haben, wieder rückgängig machen, auf eigene Kosten. Das kann Tausende oder sogar Hunderttausende Euro kosten. In schweren Fällen wird die Baugenehmigung widerrufen. Es gibt keine Ausnahmen.