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Brandschutz in der Elektroinstallation: Leitungen, Dosen und Abschottung richtig umsetzen


Brandschutz in der Elektroinstallation: Leitungen, Dosen und Abschottung richtig umsetzen
Feb, 14 2026

Warum Brandschutz in der Elektroinstallation nicht optional ist

Jeder zweite Wohnungsbrand in Deutschland hat eine elektrische Ursache. Das sagt nicht irgendeine Webseite, sondern die Feuerwehrstatistik des Jahres 2023. Und dabei geht es nicht nur um defekte Steckdosen oder überlastete Mehrfachstecker. Der wahre Grund liegt oft viel tiefer: in der Planung. Wenn Kabel nicht richtig verlegt sind, Dosen nicht abgeschottet werden oder Schutzgeräte fehlen, wird aus einer kleinen Störung schnell ein Großbrand. Brandschutz in der Elektroinstallation ist kein Luxus - er ist Pflicht. Und zwar nach der DIN VDE 0100-420, der aktuell geltenden Norm für Schutz gegen thermische Auswirkungen bei Niederspannungsanlagen.

Was die Norm wirklich verlangt: Leitungen und Kabel

Nicht jedes Kabel ist für Brandschutz geeignet. Die Norm schreibt klar vor: Kabel müssen die Prüfung nach DIN EN 60332 bestehen. Das bedeutet: Wenn ein Kabel in einer 3,5-Meter-Prüfstrecke brennt, darf die Flamme sich nicht weiter als 1,5 Meter ausbreiten. Kabel der Klasse Eca nach DIN EN 13501-6 erfüllen das. Das ist kein Marketing-Gimmick - das ist die Mindestanforderung, besonders in Treppenhäusern, Fluren oder in der Nähe von Brandabschnitten.

Was viele nicht wissen: Standardkabel aus dem Baumarkt reichen nicht aus. Sie brennen schneller, schmelzen tiefer und setzen mehr giftigen Rauch frei. In einem Brandfall kann das tödlich sein. Besonders in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeimmobilien muss man auf zertifizierte Brandschutzkabel setzen. Die Kosten liegen bis zu 40 Prozent höher - aber im Ernstfall zahlt sich das aus. Ein Beispiel aus Berlin: Bei einem Brand in einem Bürogebäude blieb die Flammenausbreitung bei Brandschutzkabeln auf 18 Zentimeter begrenzt. Im Nachbargebäude mit normalen Kabeln brannte es über 8 Meter weiter.

Dosen und Kabeldurchführungen: Der unsichtbare Schwachpunkt

Ein Kabel kann perfekt verlegt sein - aber wenn es durch eine Wand oder Decke führt und die Öffnung nicht abgedichtet ist, ist alles umsonst. Rauch und Flammen finden ihren Weg durch Lücken, die man mit bloßem Auge kaum sieht. Die Norm verlangt hier Brandschutzabschottung. Das sind spezielle Dichtungen, Schaumstoffe oder Mineralwolle, die in Kabeldurchführungen eingebracht werden. Sie halten Feuer und Rauch mindestens 30 bis 90 Minuten zurück - je nach Feuerwiderstandsklasse (F30, F60, F90).

Und hier liegt das größte Problem: Laut einer TÜV SÜD-Studie aus 2022 waren in 37,8 Prozent aller geprüften Installationen die Abschottungen falsch oder gar nicht vorhanden. Das ist kein kleiner Fehler. Das ist ein massives Sicherheitsrisiko. Wer hier spart, spielt mit dem Leben. Besonders kritisch sind Durchführungen in Brandabschnitten, zwischen Wohn- und Garagenbereichen oder in Kellerdecken. Hier muss die Abdichtung dicht sein - und das heißt: keine Lücken, keine Kabelbinder, keine lose verlegte Isolierung.

Vergleich: links ausbrechendes Feuer durch ungedichtete Kabeldurchführungen, rechts eingeschlossenes Feuer durch korrekte Brandschutzmaßnahmen.

Brandschutzschalter AFDD: Der unsichtbare Retter

Elektrische Brände entstehen oft nicht durch Kurzschlüsse, sondern durch Lichtbögen. Das sind kleine Funken, die zwischen losen Kabelenden oder beschädigten Leitungen entstehen. Sie brennen unsichtbar, ohne dass der Sicherungsautomat auslöst. Genau hier kommt der AFDD (Arc Fault Detection Device) ins Spiel. Ein Brandschutzschalter, der solche Lichtbögen erkennt und innerhalb von Millisekunden abschaltet.

Seit dem 1. November 2020 ist der AFDD in Neubauten mit mehr als 500 Quadratmetern Nutzfläche verpflichtend. Aber auch bei Sanierungen sollte man ihn einbauen - besonders in Schlafzimmern, Wohnräumen oder bei Smart-Home-Anlagen. Denn laut einer Studie der TU Braunschweig waren 18,7 Prozent der elektrisch verursachten Wohnungsbrände im Jahr 2022 auf unsachgemäße Smart-Home-Installationen zurückzuführen. AFDDs erkennen diese Fehler und verhindern, dass ein unscheinbarer Defekt zum Katastrophenfall wird.

Wichtig: AFDDs müssen fachgerecht installiert werden. Deshalb führt der ZVEH ab Januar 2024 eine verpflichtende 16-Stunden-Schulung für Elektrofachkräfte ein. Wer hier nicht aufpasst, macht mehr kaputt als er hilft.

Was ist mit Kabelbündeln und Überlastung?

Ein Kabelbündel mit zehn Leitungen, eng aneinandergepresst, ist ein Brandrisiko. Die Wärme kann nicht abfließen. Die Isolierung wird weich, schmilzt, und dann kommt es zum Kurzschluss. Die Norm sagt klar: Kabelbündelungen müssen so geplant werden, dass die maximale Belastung nicht über 70 Prozent der Nennstromstärke liegt. Das bedeutet: Wenn ein Kabel 16 Ampere trägt, darf es nur mit 11,2 Ampere belastet werden - wenn es in einem Bündel liegt.

Das klingt technisch, aber es ist einfach: Wenn du mehrere Kabel zusammenlegst, musst du sie entlasten. Entweder durch größere Abstände, durch spezielle Kabelkanäle mit Lüftung oder durch niedrigere Lasten. Viele Installateure ignorieren das - und zahlen später mit teuren Schäden oder gar mit einem Brand.

AFDD-Schalter erkennt und löscht einen elektrischen Lichtbogen in einer professionell installierten Elektroanlage.

Die größten Fehler in der Praxis

Die häufigsten Probleme kommen nicht von teuren Komponenten, sondern von falscher Ausführung:

  • Unzureichende Abschottung von Kabeldurchführungen (21,3 % der Fehler)
  • Überlastete Kabelbündel (28,7 % der Fehler)
  • Fehlende oder falsche AFDD-Installation
  • Keine Dokumentation der Brandschutzmaßnahmen
  • Verwendung von nicht zertifizierten Materialien

Die Dokumentation ist kein lästiger Papierkram. Sie ist Teil der Norm. Nach der VdS 6024 muss jede Installation mit Prüfprotokollen, Materialnachweisen und Fotos dokumentiert werden. Diese Unterlagen müssen alle 24 Monate überprüft werden - besonders in Gewerbe- und öffentlichen Gebäuden. Wer das ignoriert, macht sich haftbar.

Was kommt als Nächstes? Die Zukunft des Brandschutzes

Die Normen werden nicht stehen bleiben. Ab 1. Juli 2024 tritt eine überarbeitete Version der DIN VDE 0100-420 in Kraft - mit neuen Anforderungen für E-Ladestationen. Wer heute eine Ladesäule plant, muss bereits jetzt die zukünftigen Regeln kennen. Auch die VdS 6024 wird 2024 aktualisiert - mit Regeln für KI-gestützte Überwachungssysteme. Das bedeutet: In Zukunft werden elektrische Anlagen nicht nur sicherer installiert, sondern auch kontinuierlich überwacht. Ein System, das Temperatur, Stromfluss und Lichtbögen in Echtzeit analysiert, kann Brände noch vor dem Entstehen erkennen.

Der Trend geht klar: Elektrischer Brandschutz wird digital. Aber das ändert nichts an der Grundregel: Alles fängt mit der richtigen Installation an. Kein Algorithmus ersetzt ein sauber verlegtes Kabel oder eine ordentlich abgeschottete Dose.

Was du jetzt tun kannst

Du bist Hausbesitzer, Vermieter oder Handwerker? Dann checke jetzt:

  1. Wer hat die Elektroinstallation geplant und ausgeführt? Ist die DIN VDE 0100-420 eingehalten?
  2. Gibt es AFDDs in Schlafzimmern, Wohnräumen und bei Smart-Home-Anlagen?
  3. Sind Kabeldurchführungen in Wänden, Decken und Böden abgeschottet - und mit welchem Material?
  4. Wurden Kabelbündel überlastet? Sind Leitungen eng zusammengepresst?
  5. Hast du die Dokumentation der Brandschutzmaßnahmen - und ist sie aktuell?

Wenn du bei mindestens einer Frage „weiß ich nicht“ antwortest, dann ist es Zeit für einen Profi. Ein Elektrofachmann mit VDE-Zertifizierung prüft die Anlage innerhalb von ein bis zwei Tagen. Die Kosten liegen zwischen 200 und 500 Euro - je nach Größe. Das ist kein Ausgabenposten. Das ist eine Investition in Sicherheit.