Stell dir vor, du willst deine Wohnung sanieren, ein kleines Haus bauen oder einfach nur mehr Eigenkapital aufbauen. Du hörst von einem Bausparvertrag - versprochene Zinssicherheit, staatliche Förderung, ein sicherer Weg zum Traumhaus. Aber 2025? In einer Zeit, in der Tagesgeldkonto-Zinsen höher liegen als die Sparzinsen bei deiner Bausparkasse? Lohnt sich das noch?
Wie ein Bausparvertrag wirklich funktioniert (und warum er so kompliziert ist)
Ein Bausparvertrag ist kein klassischer Sparvertrag. Er ist ein zweiteiliges System: Zuerst sparst du monatlich, dann bekommst du ein Darlehen. Die Idee dahinter ist simpel: Du baust dir über Jahre ein Guthaben auf, und dafür bekommst du später einen zinsgünstigen Kredit. Klingt fair. Doch die Realität ist anders. Die meisten Verträge haben eine Bausparsumme zwischen 20.000 und 100.000 Euro. Du zahlst monatlich 20 bis 50 Euro ein - manchmal mehr, wenn du schneller zuteilungsreif werden willst. Aber: Sobald du den Vertrag unterschreibst, zahlt die Bausparkasse sofort eine Abschlussgebühr von 1 bis 1,6 Prozent deiner Bausparsumme. Das ist kein einmaliger Kostenpunkt - das ist ein Schlag in die Magengrube. Bei 50.000 Euro Bausparsumme sind das 500 bis 800 Euro, die du sofort verlierst. Und während du sparst, verdienst du kaum Zinsen. Aktuell (2025) liegen die Sparzinsen bei durchschnittlich 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Die Inflation lag 2024 bei 2,8 Prozent. Das bedeutet: Dein Geld verliert jedes Jahr an Wert. Du sparst nicht - du verlierst. Und das über 6 bis 10 Jahre. Das ist kein Sparen. Das ist eine versteckte Steuer.Die einzige echte Stärke: Zinssicherheit
Warum tun Menschen das trotzdem? Weil sie Angst haben. Angst davor, dass die Zinsen für ein Baudarlehen in ein paar Jahren auf 5, 6 oder sogar 7 Prozent steigen. Der Bausparvertrag verspricht: „Schau, du bekommst jetzt schon deinen zukünftigen Zinssatz festgeschrieben.“ Das ist der einzige echte Vorteil. Wenn du 2025 einen Vertrag abschließt, ist dein späterer Bauspardarlehenszins meist zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Das klingt günstig - aber nur, wenn du später wirklich mehr als 4,35 Prozent für ein klassisches Baudarlehen zahlen müsstest. Finanztip hat das genau berechnet: Ab einem Bauzins von 4,35 Prozent wird der Bausparvertrag wirtschaftlich attraktiv. Darunter lohnt er sich nicht. Und 2025? Die Zinsen für Baufinanzierungen liegen bei 3,2 bis 3,8 Prozent. Du bist also am Rande. Du wirst nicht wissen, ob du gewonnen hast - bis es zu spät ist.Wann lohnt sich ein Bausparvertrag 2025? Drei konkrete Fälle
Es gibt nur drei Szenarien, in denen ein Bausparvertrag 2025 sinnvoll ist. Keine Theorie. Kein „vielleicht“. Konkrete, messbare Fälle. 1. Du willst sanieren - und brauchst weniger als 50.000 Euro. Wenn du deine Heizung austauschst, die Fassade dämmst oder das Bad modernisierst, brauchst du oft nur 20.000 bis 40.000 Euro. Ein klassisches Baudarlehen bietet dir aber erst ab 50.000 Euro günstige Zinsen. Hier ist der Bausparvertrag die einzige Möglichkeit, mit einem niedrigen Darlehen zu kommen. Schwäbisch Hall hat sogar einen speziellen Tarif namens „FuchsEco 8“ - der bietet bei energetischen Sanierungen einen Zinsvorteil. Wenn du das nutzt, ist der Vertrag nicht nur sinnvoll - er ist fast unverzichtbar. 2. Du bekommst staatliche Förderung. Das ist der große Hebel. Ohne Förderung ist ein Bausparvertrag fast immer ein Verlustgeschäft. Mit Förderung? Da dreht sich das Blatt. Die Wohnungsbauprämie zahlt dir 10 Prozent der Einzahlungen - bis zu 70 Euro pro Jahr. Du musst mindestens 50 Euro pro Jahr einzahlen und dein zu versteuerndes Einkommen unter 35.000 Euro liegen (für Singles). Die Arbeitnehmersparzulage bringt dir bis zu 43 Euro pro Jahr (für Singles). Zusammen: bis zu 113 Euro jährlich. Das ist fast das Dreifache deiner Sparzinsen. Wenn du diese Förderung bekommst, ist dein Bausparvertrag nicht mehr nur „nicht schlecht“ - er wird tatsächlich rentabel. 3. Du rechnest mit stark steigenden Zinsen - über 4,5 Prozent. Wenn du glaubst, dass die Zinsen in den nächsten 5 Jahren auf 5 Prozent oder mehr steigen, dann ist ein Bausparvertrag eine Versicherung. Du sichst dir jetzt den niedrigeren Zins. Aber: Das ist eine Wette. Und du verlierst, wenn die Zinsen nicht steigen. Und 2025? Die meisten Experten erwarten stabile oder leicht fallende Zinsen. Die Zinssicherheit ist also kein Schutz - sie ist eine Risikoverlagerung.
Warum die meisten Bausparer falsch liegen
78 Prozent der Bausparer sagen laut Finanztip, sie haben den Vertrag wegen der Zinssicherheit abgeschlossen. Nur 22 Prozent wegen der Rendite. Das ist der Kern des Problems. Du kaufst keine Rendite. Du kaufst Sicherheit. Und Sicherheit kostet Geld. Ein Nutzer auf Reddit schreibt: „Habe 2019 einen Vertrag mit 1,2 % Abschlussgebühr abgeschlossen. Nach 5 Jahren: 0,25 % Zinsen. Keine Förderung. Hätte lieber auf Tagesgeld geparkt.“ Das ist keine Ausnahme. Das ist der Standard. Die Bausparkassen wissen das. Sie verkaufen keine Sparprodukte. Sie verkaufen Angst. Und dann ist da noch die Zeit. Du brauchst 6 bis 10 Jahre, bis du zuteilungsreif bist. Was, wenn du in 3 Jahren plötzlich ein Haus brauchst? Dann musst du zusätzliches Geld aufbringen - und du bist trotzdem an den nächsten Bewertungsstichtag gebunden. Brauchst du das Geld später? Dann schrumpft dein Darlehen. Du zahlst mehr ein, bekommst aber weniger zurück. Das ist kein Flexibilitätsgewinn - das ist eine Falle.Was du stattdessen tun kannst
Wenn du kein Bausparvertrag brauchst - was dann?- Bei Sanierungen unter 50.000 Euro: Nutze KfW-Förderkredite. Die Zinsen sind oft niedriger als beim Bausparvertrag, du bekommst Tilgungszuschüsse und du hast keine Abschlussgebühren.
- Bei Eigenkapitalaufbau: Nutze ein Tagesgeldkonto mit 2,5 bis 3 Prozent Zinsen. Du kannst jederzeit abheben. Keine Gebühren. Keine Bindung. Und du verdienst mehr als bei deinem Bausparvertrag.
- Wenn du Zinssicherheit willst: Schließe ein klassisches Annuitätendarlehen mit Zinsbindung von 10 bis 15 Jahren ab. Du bekommst günstige Zinsen, keine Abschlussgebühren, und du hast die volle Kontrolle.
Die Wahrheit über Bausparverträge 2025
Ein Bausparvertrag lohnt sich 2025 nur, wenn du in genau drei Fällen bist: Sanierung unter 50.000 Euro, staatliche Förderung, oder du bist absolut sicher, dass die Zinsen über 4,5 Prozent steigen. Alles andere ist Geld, das du verlierst - langsam, aber sicher. Die Bausparkassen wie Schwäbisch Hall, Wüstenrot und BHW haben den Markt dominiert. Aber das Neugeschäft ist 2024 um fast 19 Prozent gefallen. Warum? Weil die Menschen merken: Es lohnt sich nicht. Nicht mehr. Wenn du einen Bausparvertrag abschließt, tu es nicht, weil es „traditionell“ ist. Tu es nicht, weil du Angst hast. Tu es nur, wenn du genau weißt, warum - und welche Vorteile du wirklich bekommst. Sonst ist dein Bausparvertrag nicht dein Weg zum Eigenheim. Er ist dein Weg zur finanziellen Stagnation.Was du jetzt tun solltest
- Prüfe, ob du Anspruch auf Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage hast - das macht den Unterschied.
- Rechne aus: Wie viel Geld brauchst du wirklich? Unter 50.000 Euro? Dann ist ein Bausparvertrag vielleicht sinnvoll.
- Vergleiche den effektiven Jahreszins deines Bauspardarlehens mit aktuellen Baudarlehen - nicht mit den Werbeversprechen, sondern mit den echten Angeboten von Banken.
- Wenn du keine Förderung bekommst und mehr als 50.000 Euro brauchst: Lass es. Nimm ein klassisches Darlehen. Du wirst es nicht bereuen.
Ein Bausparvertrag ist kein Investment. Er ist eine Versicherung - und wie jede Versicherung lohnt er sich nur, wenn du ihn brauchst. Und 2025? Die meisten brauchen ihn nicht.
Lohnt sich ein Bausparvertrag 2025, wenn ich keine Förderung bekomme?
Nein. Ohne Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage ist die Sparphase so schlecht verzinst und so teuer durch die Abschlussgebühren, dass du jedes Jahr Geld verlierst. Selbst wenn du monatlich 50 Euro einzahlst, bleibt deine Rendite negativ. In diesem Fall ist Tagesgeld oder eine andere Form der Geldanlage deutlich besser.
Wie hoch ist der effektive Zins beim Bauspardarlehen wirklich?
Der effektive Jahreszins liegt meist zwischen 2,5 und 3,5 Prozent - aber das ist nur die Hälfte der Wahrheit. Du musst die Abschlussgebühren und die lange Sparphase mit einrechnen. Wenn du 10 Jahre sparest und dann ein Darlehen von 50.000 Euro bekommst, ist der tatsächliche Kostenfaktor oft höher als bei einem klassischen Baudarlehen mit 10-jähriger Zinsbindung, besonders wenn die Bauzinsen unter 4,5 Prozent liegen.
Kann ich den Bausparvertrag vorzeitig kündigen?
Ja, aber du verlierst fast alles. Die Abschlussgebühren sind nicht erstattet. Dein Guthaben bleibt unverzinst. Und du verlierst den Anspruch auf das Bauspardarlehen. Die Kündigung lohnt sich nur, wenn du dringend Geld brauchst - und dann ist es kein finanzieller Fehler, sondern ein Notfall.
Was ist der Unterschied zwischen Bausparvertrag und KfW-Förderkredit?
Der KfW-Kredit ist ein direktes Darlehen mit günstigen Zinsen und oft Tilgungszuschüssen - besonders für Sanierungen. Du sparst nicht, du leihst. Du bekommst keine Zinsen auf dein Geld, aber du zahlst keine Abschlussgebühren und kannst sofort loslegen. Der Bausparvertrag ist ein Spar- und Darlehensmodell mit langen Wartezeiten und hohen Kosten. Der KfW-Kredit ist schneller, günstiger und flexibler - wenn du die Voraussetzungen erfüllst.
Warum bieten Bausparkassen noch Verträge an, wenn sie sich nicht lohnen?
Weil sie Geld verdienen - und zwar mit den Abschlussgebühren und den niedrigen Sparzinsen. Die Bausparkassen verdienen an der Differenz zwischen dem, was du sparst (0,2 %), und dem, was sie später verleihen (3,5 %). Sie verdienen auch, wenn du nicht zuteilungsreif wirst - denn dann bleibt dein Geld bei ihnen. Sie verkaufen keine Lösungen. Sie verkaufen Produkte mit hohen Margen.
Nadja Senoucci
Februar 3, 2026 AT 21:26Ohne Förderung ist das ganze System nur eine Geldvernichtungsmaschine.